Angedacht

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Worte zur Besinnung – EJZ am 16.03.2019
Diakon Michael Ketzenberg, Breselenz
 

Nachts!

Gefühlt ist es noch gar nicht so lange her, daß unsere Kinder zu uns ins Bett gekrabbelt sind. Manchmal war das auch nachts der Fall. Nicht einschlafen können, schlecht geträumt, oder die Gedanken kommen nicht zur Ruhe. Kinder haben’s gut. Sie krabbeln zu den Eltern ins Bett. Und dann erzählen sie, was ihnen durch den Kopf geht, warum sie nicht schlafen können, was sie geträumt haben. Und dann gibt es Trost, gut Worte, Zuhören, auf Fragen antworten, Liebe. Und irgendwann kehrt Ruhe ein.

Die Nacht ist etwas Besonderes. Sie kann mit ihrer Dunkelheit zwar auch Angst machen, aber sie bietet genauso Schutz. Wenn man nicht gerade feiert oder sich übermäßig betrunken hat, dann könnte dem einen oder anderen das bekannt vorkommen: Die tiefsten Gespräche finden nachts statt. In der Dunkelheit, unterm Sternenhimmel, am Feuerkorb. Da wird es viel schneller tief und persönlich und ehrlich. So etwas geht nur in der Nacht.

Und irgendwie darum ist die Begegnung zwischen Jesus und Nikodemus, von der in den Gottesdiensten morgen gelesen wir, auch so intensiv. Und der Nikodemus ist mir sympathisch. Ist er doch eigentlich ein Pharisäer, einer der Gegner Jesu, will er sich nicht mit dem zufrieden geben, was er am Tage sieht und hört. Er will es genauer wissen. Und er kennt die Nacht. Die Nacht, mit ihrem Schutz, und ihrer Offenheit für tiefe Fragen. Und dann fragt er ihn. Wie ist das mit dem Glauben? Und: Wer bist Du eigentlich? Und es entwickelt sich ein längeres Gespräch über den Glauben, über Neugeburt, über ein erfülltes Leben, über Liebe. Und Nikodemus entdeckt bei Jesus die Liebe Gottes und kann sich verändern.

Wenn wir mit unseren Konfis der Nordregion im Sommer zehn Tage unterwegs sind, dann nennen wir die letzten drei Abendandachten „Nikodemus-Abende“. Nach dem offiziellen Ende der Andacht bleiben die Kerzen an, ruhige Musik läuft, und wir Pastoren oder Diakone setzen uns in abgelegene Ecken der Kapelle. Neben uns steht ein freier Stuhl – und wir laden die Jugendlichen ein, zu uns zu kommen, den Schutz der Dunkelheit zu nutzen, um das loszuwerden, was ihnen auf dem Herzen liegt. Wir laden ein, sie kommen freiwillig, ohne Druck. Und wir hören ihnen zu, versuchen gemeinsam mit ihnen Antworten zu finden auf ihre Fragen, wir beten für sie und legen ihnen zum Segen die Hände auf.

Macht Euch auf – am hellen Tag oder auch im Schutz der Nacht. Werdet neugierig auf Jesus. Fragt nach ihm. Entdeckt, daß ihr seiner Liebe trauen könnt. Sie kann verändern.

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