Angedacht

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Worte zur Besinnung – EJZ am 22.12.2018
Diakon Michael Ketzenberg, Breselenz

Sie singt!

Eine einfache junge Frau. Wenn sie sich ihr Umfeld ansieht, kann sie manchmal den Kopf hängen lassen. Schlichte Familienverhältnisse, einfaches Leben in der kleinen Stadt, viel zu sagen hat sie nicht. Das steht den Frauen nicht zu. Eine fremde Macht beherrscht ihr Volk. Viel zu lachen gibt es da nicht. Alle müssen sich unterordnen. Dass es sie ärgert, kann sie kaum erzählen. Ihr hört ja eh niemand zu. Nur ihr Verlobter kümmert sich rührend um sie. Vielleicht ist sie ein bisschen verliebt. Und darum kann sie das, was Verliebte können: Sie kann träumen – auch wenn sie nichts sagen darf. Und sie träumt: Von besseren Verhältnissen. Sie träumt davon, daß sie und ihr Volk frei leben können. Sie träumt, daß die Armen reich werden und die Schwachen mächtig, daß die Hungernden Brot bekommen und die Traurigen Hoffnung.

Während sie so träumt, wird sie wach gerüttelt. Ein Engel begegnet ihr. Und er erzählt ihr unerhörtes: Ein Kind soll sie bekommen. Und mit diesem Kind will Gott zu den Menschen kommen. Er, der für sie doch immer so weit weg, manchmal unerkennbar war, er wird plötzlich greifbar. Und wenn das stimmt, dann ändert sich wirklich was. Wenn der große, mächtige Gott klein und arm wird als Kind, dann steht er doch mit den Kleinsten und Geringsten auf einer Stufe. Und damit sind sie nicht mehr klein und gering. Dann werden die Kleinen groß, die Schwachen stark. Und die Traurigen sind nicht mehr allein. Und die Großen und Mächtigen sind nicht mehr an erster Stelle.

Dann ist der Engel verschwunden. Und sie kann nichts sagen. Aber nach einer Zeit wächst in ihr eine Melodie. Und Worte schmiegen sich an diese Töne. Es sind die Worte ihrer Sehnsucht, die sich langsam zu erfüllen scheint. Barmherzigkeit, ja das ist das größte Wort in der Melodie. Sie spürt: Gott ist barmherzig. Nicht nur mit ihr. Mit allen Menschen.  Sie singt!

Von nun an soll niemand mehr ohne Hoffnung sein. Es begann damals mit Maria. Und es fand kein Ende – auch nicht mit dem Tod am Kreuz. Menschen sollen Hoffnung haben. Und das gilt bis heute. Wenn wir ganz still werden mit dem Blick auf Jesus Christus, durch den Gott uns bis heute nahe ist, dann können wir erahnen, daß auch unser Herz diese Melodie von der Barmherzigkeit summen möchte.

Morgen am 4. Advent um 16.00 Uhr in Rebenstorf beim Gottesdienst mit der Evangelischen Jugend wird es auch sehnsuchtsvolle Töne zu hören geben. Und man kann sie mitsummen.

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