Angedacht

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Worte zur Besinnung – 3. Sonntag nach Trinitatis – 27.06.2020
Michael Ketzenberg, Pastor im Kirchenkreis

 Bleib (nicht!) so, wie Du bist!

„Bleib so wie Du bist“ – das stand auf der Karte. Rein äußerlich bleibt mir ja auch nichts anderes als zu bleiben wie ich bin. Aber die Augenränder und das gequälte Lächeln? Ist ja beides irgendwie mehr innerlich. Und ich denke an die Karte. Bleib so wie Du bist. Das will ich ja gar nicht. Die Karte nervt mich, obwohl sie gut gemeint war. Manchmal will ich einfach nicht so bleiben, wie ich bin. Ich weiß ja, was die Augenränder macht. Ärger über mich. Ärger über andere. Ich mache Fehler – und will sie doch eigentlich gar nicht machen. Ich lüge, um aus der Situation besser rauszukommen. Meine ich. Und komme doch nicht gut raus. Ich mache anderen und mir was vor. Und dann kommt da einer – und er sagt zu mir: Komm schnell herunter, komm schnell heraus aus Deinem Gedankenwust, Deinen Zweifeln, Deinen Sorgen. Komm raus. Und nimm mich mit rein zu Dir. Ich spüre: Ich muß nicht so bleiben wie ich bin. Das liegt wohl an seiner bedingungslosen Zuneigung. Und dann isst und trinkt er mit mir. Dann geht er wieder. Und dann sehe ich, er hat eine Karte dagelassen. Da steht nicht: Bleib wie Du bist. Der Satz ist etwas länger. „Heute ist Deinem Hause Heil widerfahren“. Hat er drauf geschrieben. Unterschrift: Jesus. „Denn der Menschensohn ist gekommen zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ (Lukas 19,10)

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