Angedacht

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„Heraus mit dem Gold aus dem Mund!“

Zum 9. Sonntag nach Trinitatis

Neulich kam heraus: Es ist nur eine kleine Gruppe von rechtsgerichteten Leuten, die die Kommentare und Diskussionen im Internet bestimmen. Es sind nur wenige Personen, die sich viele verschiedene Fantasienamen und Identitäten geben. So täuscht eine kleine Zahl von Leuten vor, eine große Masse zu sein.

Es sind „Trolle“ – so nennt man solche Typen im Internet -, die an einem echten Austausch kein Interesse haben. Menschen, die nur pöbeln, Hass verströmen. Die ihre Propaganda verbreiten, alle anderen niederschreien, aber niemals zuhören. Ich habe eigentlich keine Lust, mich mit solchen Leuten auseinanderzusetzen. Doch genau darauf spekulieren sie.

Genau so beeinflussen sie die öffentliche Meinung. Und unsere Politikerinnen und Politiker. Gegen Ausländer. Gegen Migranten. Gegen eine ruhige und vernünftige Art, Politik zu machen.

Eine lautstarke Minderheit, die unermüdlich Falschmeldungen verbreitet, Dinge aus dem Zusammenhang reißt, verschiedene Sachen in eine Topf wirft und die Hass und Angst verströmt.

Eine kleine Gruppe von Leuten. Die sich aber anmaßen, für‘s ganze Volk zu sprechen. Und so sieht es ja auch aus, wenn ihnen keiner widerspricht.

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An diesem Sonntag wird in den Kirchen über Jeremia gepredigt. Über das erste Kapitel: Jeremias Berufung zum Propheten.

Jeremia wollte zuerst nicht Prophet. Er tauge nicht zum Predigen und er wäre auch zu jung dafür. Aber Gott lässt ihn nicht aus der Verantwortung, denn er braucht ihn. Was Gott zu sagen hat, das soll durch Jeremias Mund ausgesprochen werden. Und dann zieht Jeremia los und bringt Gottes Botschaft unter‘s Volk. Auch wenn das Ärger und Konflikte bringt.

Was Gottes zu sagen hat, das zeigt sich für die Christen im Vorbild und in der Botschaft von Jesus. Da geht es um Nächstenliebe. Um die Solidarität mit den Armen und Schwachen. Und den Schutz von Witwen und Waisen und gerade auch der Fremden. Alles läuft zu auf die Liebe von Gott zu den Menschen und den Frieden auf Erden über alle Grenzen hinweg.

Darum: Es gibt so viel mehr Menschen, die lieben, glauben und hoffen. Viel mehr Menschen als die wenigen, die Hass und Zwietracht säen. Warum hört man uns denn dann nicht lauter? Bist du jung? Zu alt? Zu schüchtern oder nicht zuständig? Das sind vor Gott keine Argumente, die zählen. Also heraus mit dem Gold aus dem Mund und reden! Und wo es sein muss, auch mal widersprechen!

Jörg Prahler, Pastor aus Quickborn.

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