Angedacht

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Worte zur Besinnung – Sonntag Rogate, 06. Mai 2018 – EJZ 05.05.2018
Diakon Henning Schulze-Drude, Breselenz

Musik und Gebet

Können Sie sich ein Leben ohne die Musik vorstellen? Also ich nicht!

Für mich gehört die Musik zu meinem Leben. Übrigens nicht nur eine bestimmte Musikrichtung. Meine Kinder freuten sich früher, wenn ich das Autoradio manchmal voll aufdrehte, zum Beispiel bei „Whole Lotta Love“ von Led Zeppelin, einem 1969 aufgenommener Hardrock-Song. „Sowas hörst du?“ war anfangs die Reaktion. Ja, so etwas höre ich. Oder besser gesagt, so etwas höre ich auch.

Wir wissen es: Musik ist so verschieden wie das Leben selbst. Und dabei sind wir oft nicht nur auf eine Musikrichtung festgelegt – ich jedenfalls nicht. Oftmals kommt es bei mir auch auf die innere Verfassung an, welche Musik ich jetzt brauche. Wir suchen uns das aus, was wir gerne hören möchten, was uns guttut, was die Laune hebt, oder was uns zum Nachdenken anregt.

Aber Musik kann auch nerven oder zur Qual werden. Wenn zum Beispiel die Menschen im Kaufhaus mit leiser Musik berieselt werden, oder wenn selbst im Waschhaus des Campingplatzes im Hintergrund Töne zu hören sind, vor denen ich mich dann nicht entziehen kann, dann hat das eigentlich nichts mit Musik zu tun. Ich würde das eher als akustische Umweltverschmutzung bezeichnen.

Vor einiger Zeit hörte ich im Radio dass Musik sehr erfolgreich in der Schmerztherapie eingesetzt wird. Menschen mit schweren Krankheiten berichteten über deutliche Linderungen. Auch begleitende Symptome des Schmerzes wie Depressionen Verspannungen oder Schlaflosigkeit verbesserten sich durch die Klänge von Harfen oder anderen Instrumenten.

Saul, einem König aus dem Alten Testament, wurde leichter ums Herz, wenn David zur Harfe griff und darauf spielte. Dann fühlte er sich wieder wohler und der böse Geist verließ ihn. So berichtet es uns die Bibel im 1. Buch Samuel.

„Kantate – Singet“, so lautete der Name des letzten Sonntags. Er stammt aus dem Psalm 98, in dem es gleich im ersten Vers lautet: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“. In dem Namen des Sonntags, der nun vor uns liegt, geht es um das Gebet – „Rogate“.

Für mich sind der Gesang und das Gebet Geschwister. Viele Lieder, die ich kenne sind Gebete und umgekehrt. Das ist nicht nur in der klassischen Kirchenmusik so, aber doch gerade da. Und dabei sind es oft nicht die Worte eines Liedes, die es zum Gebet machen, sondern es ist die Musik selbst. Die anspruchsvollen Programme vieler kirchenmusikalischer Konzerte sind so durchaus als „Klangvolles Gebet“ zu verstehen und laden Menschen zu besinnlichen und anregenden musikalischen Stunden ein.

Auch heute Abend sind Sie herzlich eingeladen. In der Lüchower St. Johanniskirche können Sie ein festliches Chor-u. Orchester-Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach und seinem Sohn Carl Philipp Emanuel Bach hören.

Ein Lobgesang zu Gottes Ehre – klingendes Gebet.

 

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