Unerwartet – Himmel 31. Woche

Unerwartet – Himmel

Laß es dir gut gehen. Machs gut. Pass auf dich auf. Fahr vorsichtig. Komm gut nach Hause. Tschüß. Tschüß ist ja wie Adieu eine eingedeutschte Form vom Französischen: A Dieu – Geh mit Gott. Also tschüß, mit Winkewinke. Sei Gott befohlen. Gott segne dich unterwegs. Letzte Sätze.

Vergesst nicht, gastfrei zu sein. Manche haben dadurch, ohne es zu wissen, schon Engel beherbergt. So erzählt die Bibel. Denkt an die vergessenen Gefangenen und an die Mißhandelten als wärt ihr auch Gefangene. Denkt an die, an die keiner denkt. Und dann tschüß. Würde uns heute wohl kaum einfallen als letzter Gruß.

Wobei es ziemlich aktuell ist, wenn man sich das Gerechne und Gezeter um die Aufnahme von Flüchtlingen anhört. Wieviel können wir aufnehmen? Wir nehmen erst dann, wenn die anderen auch.  Vergeßt nicht, gastfrei zu sein.

Gastfrei – sind wir doch! Gerade in der Zeit als alles geschlossen war, blühte die Nachbarschaftshilfe auf. Nachbarn fragten Nachbarn, du brauchst du was von Aldi? Ich bringe es dir mit. Jugendliche von Vereinen organisierten eine Einkaufshilfe für alte Menschen. An die Pflegekräfte in den Heimen und Krankenhäusern wurde auf einmal gedacht. Es wurde hingekuckt. Wie viel sie doch tun, wieviel zu wenige sie sind für all die Arbeit. Sie müßten besser bezahlt werden. Das geht einem auf.

Vergeßt nicht gastfrei zu sein. Sind wir doch! Wir laden gerne andere ein. Wir freuen uns auch, wenn wir eingeladen werden. Aber wie es so ist: meistens laden wir nur die ein, die zu uns passen. Menschen, die so sind wie wir. Die auch so denken, wie wir. Die auch gutfinden, was wir gutfinden. Wenn wir einladen, bleiben wir irgendwie immer unter uns. Und wir laden auch nur die ein, von denen wir selbst auch eingeladen werden. Dann sind wir wieder quitt. Und niemand kann uns was vorwerfen. Da erlebt man nichts von einem Engel!

Eine unerwartete Begegnung. Wie Himmel. Besonders dann, wenn man Hilfe braucht. Du kommst wie gerufen. Du bist ein Schatz. Du bist ein Engel. Gut, dass du gekommen bist. Gott sei Dank. Ein Engel kommt zu uns. Eine Begegnung – in der viel Himmel ist. Wo das Rechnen und Berechnen aufhören. Wo es mal nicht immer gilt. Und das kann durchaus sein. Unerwarteter Himmel. Zwei Handwerksgesellen auf der Walz stehen vor der Tür. Kommt rein, ihr könnt hier übernachten und morgen fragen wir den Handwerker im Dorf, ob er Arbeit hat. – Es wurde ein wundervoller Abend. Viel erzählt, viel gelacht, Menschen sind doch interessant! Drei Soldaten in voller Tarnmontur hatten sich bei einer Übung verlaufen. Wir sind im Niemandsland und suchen das Feindesland. Kommt rein, ihr könnt hier auch duschen. Schlafen wollten sie dann aber doch lieber in der Scheune. Es wurde ein lustiger Abend. Alle fanden es toll. Zum Erinnern schön. Da hat doch, ganz unerwartet der Himmel die Erde berührt.

 

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg

 

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