Ein kleines Licht am 14. Juli

von Heike Sieberns; Vikarin in Damnatz, Langendorf und Quickborn

Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen 

Da liegt er nieder – schwebt nicht mehr über den Dingen. Alle vermuten ihn zwischen Erde und Himmel. Als Engel, der die Worte Gottes zu den Menschen trägt. Der menschliches Leben begleitet.

Da liegt er nieder – schwebt nicht mehr über den Dingen. Der geschundene Körper. Überzogen von der Maserung schmerzlicher Leben. Die Flügel zerschlissen. Die zarten Federn verholzt. Nur noch die Spitzen tragen den himmlischen Schimmer. Steht er nicht wieder auf, werden die Flügel versteinern und das Gold wie Bernstein darin funkeln. Er wird verschüttet und wiedergefunden werden. Und dann werden die Menschen die Kostbarkeit sehen, ohne sie wirklich zu erkennen.

Da liegt er nieder – schwebt nicht mehr über den Dingen. Diese Flügel sind in nur kurzer Zeit alt geworden. Sie haben etliche Meilen gesammelt, um zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. Aber auch seinen und ihren Weg. Und den Weg vom jenem Menschen. Niemand geht allein.

Die Lebenswege verlaufen mal durchs Unterholz – mal sind sie ein Drahtseilakt. Sie haben keinen Schleichweg. Und manches Leben kommt vom rechten Pfad ab. Oder missachtet den Pfad der Tugend.
Dann kommt der Engel ins Spiel. Er räumt keine Steine aus dem Weg. Ebnet auch keinen Weg.

Der Engel geht mit. Er ist da, wo sonst kaum jemand ist. Er geht dahin, wo es ungemütlich wird und auswegslos erscheint. Engel erleben die schweren Zeiten der vielen Leben hautnah. Das geht nicht spurlos an ihnen vorbei. Die Schicksalsschläge berühren sie und lassen nicht mehr los.
Ihre Körper und Flügel erzählen die Geschichten der begleiteten Leben. Sie gehen die Leben mit – durch jedes Gelände. Ohne ein Murren.

Da liegt er nieder – schwebte nie über den Dingen. War immer da. Hat alle Kräfte gegeben. Für manchen Weg sogar mehr. So spielt das Leben.
Die steinernen Flügel mit funkelndem Bernstein erzählen kostbare Lebensgeschichten. Jede Geschichte hat ihr eigenes Funkeln. Jedes Leben bringt eine eigene Maserung hervor. 

Da liegt er nieder – überzogen von schmerzlichem Leben. Nur noch die Spitzen tragen den himmlischen Schimmer. Der Goldrand lässt glänzen, was andere lieber verbergen wollen. Denn auch darin liegt etwas Kostbares, den Weg durchs finstere Tal gegangen zu sein. 

Das hundertundneunzehnte kleine Licht.
Bleiben Sie behütet.
Ihre Vikarin Heike Sieberns

 

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend, außer am Wochenende von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

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