Ein kleines Licht am 12. Juli

Du bist sehr gut!

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.Dieser Spruch für die kommende Woche steht im Brief an die Epheser, Kapitel 2, Vers 8.

Und ich finde dieser Spruch passt in dieser Woche besonders gut. Denn in dieser Woche am Mittwoch gibt es Zeugnisse in der Schule.

Kennt Ihr das noch? Ihr bringt die Zeugnisse aus der Schule nach Hause mit und zeigt sie Euren Elter, der Oma und dem Opa? Meine Zeugnisse waren meistens ziemlich gut. Ich bekam ein Lob. Die Eltern, Oma und Opa langten ins Portemonnaie und gaben mir fünf Mark oder als ich schon älter war sogar zehn Mark. Das hat mit immer gefreut. Eine kleine Finanzspritze, damit ich mit ein Eis zusätzlich, ein bisschen Spielzeug oder später eine Schallplatte kaufen konnte. Wie gesagt, meine Zeugnisse sahen meistens gut aus. Und das Geld von meinen Großeltern empfand ich als kleine, zusätzliche Belohnung für viele Monate harte Arbeit in der Schule.

Aber wie wäre es gewesen, wenn mein Zeugnis nicht so gut ausgefallen wäre? Kriegte ich dann statt zehn Mark dann bloß eine oder nur zehn Pfennig? Und mit zwei Fünfen und beim Sitzenbleiben, müsste ich dann Geld zurückbezahlen? Ich habe noch einen Bruder. Glücklicherweise war der ähnlich gut in der Schule. Hätten meine Eltern sonst unterscheiden müssen? „Jörg, du kriegst dies Jahr nur eine Mark. Aber Lars kriegt acht Mark 50“? Der Streit wäre vorprogrammiert gewesen. Und warum wurde ich belohnt? Die Grundschule ist mir sehr leicht gefallen. Ich musste weder viel üben noch viel lernen für meine Noten. Bei meinem besten Freund sah das anders aus. Der lernte viel für die Diktate, trotzdem war die Deutschnote alles andere als berauschend.

Irgendwie gibt es viele Möglichkeiten, das ungerecht zu machen mit dem Zeugnisgeld. Als Belohnung für unsere Leistungen taugt das einfach nicht. Als Ermunterung, als Bestärkung vielleicht schon.

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ Gott zum Beispiel belohnt nicht nach Leistung, sondern er rettet die Menschen aus Gnade. Wahrscheinlich in Wahrheit sogar einfach aus Liebe. Und ist es nicht das, was wir unseren Kindern zeigen sollte, wenn es Zeugnisse gibt? „Ich glaube an Dich! Ich stehe hinter Dir! Ich liebe Dich!“

Da ist noch eine Sache, an die ich mich erinnere und die ich euch gerne weitersagen möchte. Vor ein paar Jahren feierte ich Einschulungsgottesdienst in der Langendorfer Kirche. Ich dachte mir: „Vielleicht hat das ein oder andere Kind jetzt auch ein bisschen Sorge. Vielleicht fürchtet sich das ein oder andere Kind davor, dass es irgendwann einmal mit eine schlechten Note nach Hause kommen muss.“ Und ich dachte mir: „Dann kriegt jedes Kind von mir ein allererstes Zeugnis mit einer Eins darauf.“ Das konnte ich auch sehr gut begründen, denn als Gott die Welt und die Menschen geschaffen hat, da sagte er: „Und siehe, es war sehr gut.“ Und sehr gut ist eine Eins.

Und weil ich gerade dabei war, schrieb ich Zeugnisse für alle Lehrerinnen und Lehrer und alle, die sonst noch so in der Schule arbeiteten. Zum Beispiel ungefähr:

Frau Soundso

1

Gott findet, du bist sehr gut!“

Ich verteilte diese Zeugnisse an alle, fand, das wäre eine gute Idee, und dann habe ich das bald wieder vergessen.

Monate später war ich wieder in der Grundschule zu irgendeinem Schulfest. Ganz nebenbei sprach mich einer von den Erwachsenen an: „Danke noch mal für das Zeugnis. Ich habe mich sehr darüber gefreut und ich habe es mir gut beiseite gelegt. Das war die erste Eins, die ich in meinem Leben bekommen habe!“

Das hat mich einerseits gefreut und andererseits hat mir das einen Stich ins Herz gegeben.

Sollten wir nicht dafür sorgen, dass jeder Mensch weiß, dass er oder sie sehr gut ist? Können wir ihnen das nicht einfach auch mal ganz klar zeigen und sagen? Ich finde, das ist viel, viel wichtiger als fünf Euro Zeugnisgeld.

Das einhundertundsiebzehnte kleine Licht.

Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler.

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend, außer am Wochenende von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz vielee Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

Meine Oma hat aber gar kein Internet”? Aber du! Es ist ausdrücklich erlaubt, diese Beiträge auszudrucken, zu verschicken, zu teilen oder zu verlinken. Gebt sie gerne an alle weiter, die sich darüber freuen und vor allem an die, die sonst keine Zugang dazu hätten.

Rückmeldungen, Fragen oder Anregungen gerne an joergprahler@gmx.de.

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1 Antwort zu Ein kleines Licht am 12. Juli

  1. Jörg Prahler sagt:

    Irgendwelche Erinnerungen an Zeugnisvergaben, an gute oder schlechte Noten?

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