Ein kleines Licht am 6. Juli

Diesen Sommer wird alles anders

Der Sommer nimmt so langsam Fahrt auf, also ist Zeit für diese alte Radioandacht. Sie ist übrigens die allererste, die ich für den NDR geschrieben habe und sie wurde am 2. Juni 2008 in der Reihe „Zwischen Himmel und Erde“ auf NDR1 Niedersachsen gesendet.

Damals waren die Andachten noch eine Minute länger und liefen um 9,15. Heute heißen die Andachten „Zwischentöne“ und werden etwa gegen 9.45 Uhr gesendet. Gerade läuft übrigens die neueste Andachtsreihe von mir. Darin geht es um Fernsehserien und dazu passende Personen oder Familien aus der Bibel. Das erste Mal werden meine Andachten mit der passenden Musik untermalt. Erstaunlich, wie kunstvoll der Tontechniker den gesprochenen Text mit der Musik abgemischt hat.

Aber jetzt erst mal eine Andacht über die erste Liebe im ersten richtig schönen Sommer:

oder um es noch mal nachzulesen:

 

Diesen Sommer wird alles anders

Ein Vers aus der Bibel, Psalm 139: “Mein Gott, ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.”

Ich blicke aus meinem Zimmer raus auf die Straße. Es ist Sommer. Kurz nach dem Mittagessen. Das Mädchen sitzt auf dem Verteilerkasten. Schwarzes Top und Hackenschuhe. Lippenstift. 13 Jahre alt.

Im letzten Jahr hat sie hier zwischen den Blocks noch Federball gespielt, dies Jahr ist gar nicht dran zu denken.

Der braunhaarige Junge ist auch wieder da. Mit Mountainbike, aber ohne seine Kumpels. So könnte es was werden, denke ich.

Der Junge dreht Achten auf der Straße. In der Mittagszeit ist kein Verkehr. Der Junge blickt immer nur kurz zu dem Mädchen. Seine Kunststücke werden schwieriger und schwieriger und fordern zu viel Konzentration. Sie sieht nur auf seinen Rücken, wenn er mit seinen Kurven an ihr vorbeigefahren ist. Kommt er ihr entgegen, blickt sie auf ihre Schuhe oder zur Seite. Aber sie streicht sich eine Strähne hinter ihr Ohr und gewährt ihm einen Blick auf Hals und Schulter.

Sie sprechen kurze Sätze miteinander, die ich durchs Fenster nicht hören kann. Sie sprechen und sprechen und kommen nicht recht voran. Er macht einen Stehversuch wie ein Radsprinter auf der Rennbahn. Vor und zurück das Rad, mit dem Lenker ausbalancieren. Sie schlägt die Beine übereinander und reckt den Oberkörper hoch. Und er ist wie gebannt und muss da hin sehen.

Sie und er.

Für einen Augenblick wissen die beiden, wie es weitergeht. Wie es weitergehen könnte. Wie es bei jedem irgendwann mal angefangen hat in irgendeinem Sommer. Doch da – da verliert er das Gleichgewicht, springt ab und rettet sich strauchelnd, doch sein Fahrrad scheppert auf den Asphalt. Sie kann nicht anders, als hinter vorgehaltener Hand in Lachen auszubrechen, und er kann jetzt nicht anders als schleunigst das Weite zu suchen.

Eine Viertelstunde lang sitzt sie noch alleine da. Doch seine Schmach ist zu groß, er lässt sich nicht mehr blicken. Dann rutscht auch sie von ihrem Sitz herunter und geht mit langsamen Schritten ins Haus zurück.

Nächsten Tag zur gleichen Zeit ist sie wieder zur Stelle. Schuhe und Rock sind geblieben, das Top hat gewechselt. Das Leben ist zu aufregend und zu schön, um sich entmutigen zu lassen. Wie zufällig kommt der Junge mit dem Fahrrad noch einmal vorbei. Und es geht wieder los.

Mein Gott, ich danke dir, dass wir wunderbar gemacht sind.

Das einhundertundelfte kleine Licht.

Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler.

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend, außer am Wochenende von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

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Rückmeldungen, Fragen oder Anregungen gerne an joergprahler@gmx.de.

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