Wenn ich GOTT höre, denke ich an … (25. Woche)

Gedanken zur Woche

Bilder sind zu sehen: Ein abgeräumtes Krankenbett, ein verfallendes Haus – die Gardine hängt noch in Fetzen am Fenster, ein Tautropfen an der Spitze eines Blattes – gleich wird er heruntertropfen, ein Mann in einem Rollstuhl oben auf dem Absatz einer herrschaftlichen, monumentalen Treppe, eine im Gesicht verletzte Frau – jemand hält ihr die Hand hin …Hobbyphotographen, die der Kirche fernstehen wurde von der evangelischen Kirche in Norddeutschland zu einem Dialog eingeladen. Und wer ihre Bilder betrachtet, dem fällt ziemlich viel dazu ein. Man muß eben nicht ein Kirchgänger sein, um mit GOTT was anfangen zu können. GOTT, das ist ja wie eine Abkürzung. Eine (Erika Omernik) sagt: Warum streiten sich die Menschen über Religion, haben wir nicht andere Sorgen? Die Menschen brauchen doch nur was zum Anlehnen. – Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir (Psalm 130). Gottes Schweigen/trank ich aus dem Brunnen des Hains (Georg Trakl). Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse. Ich hoffte auf das Licht, und es kam die Finsternis (Hiob 30,26). Morning has broken, like the first morning. Bilder von Schöpfung, vom Neuen Morgen, von Lebensenergie und wachsender Kraft. Menschen bitten um Kraft und Schutz. Und daneben die uralte Frage: Wo bleibt denn Gott, wenn Unrecht und Leid geschehen?

Ein Dialog. Andeutungen, infrage gestellte Selbstverständlichkeiten, Ausschnitte, Annäherungen. Niemand muß es so sehen, wie ich es sehe. Schade eigentlich, dass für Viele Religion und Kirche ein und dasselbe sind. Manche wenden sich dabei gleich ganz von Glaubensdingen ab, dabei treten sie nur aus der Kirche aus. Manche ärgern sich über Gott und lassen das dann an der Kirche aus. Manche halten sich für Atheisten, nur deshalb, weil sie aus der Kirche ausgetreten sind. Manche können sich nicht vorstellen, wie das Leben überhaupt gelebt werden kann, wenn man nicht in „was Größeres eingebettet ist“. So ein Leben gibt es kaum. Fast jeder glaubt an etwas, weil wir Menschen uns als Teil von einem Ganzen fühlen wollen, weil wir irgendwo dazu gehören wollen. Das mag Gott sein, bei dem wir uns aufgehoben fühlen, der Kreislauf der Natur, in dem man sich einbettet oder eine Gemeinschaft, in der man zuhause ist. Das alles ist nicht dasselbe, aber es gibt dem Leben Sinn.
Wenn ich GOTT höre, denke ich an … bitte nicht so schnell mit Antworten kommen. Die will erstens niemand hören. Zweitens wollen sie selber gefunden werden, wenn überhaupt. Drittens hält Gott das aus, dass wir Menschen so sind wie wir sind, so denken, wie wir denken, so glauben, wie wir glauben. Gott hält das aus, mich auch.
Die Ausstellung wird im Sommer in der Kirche in Dannenberg zu sehen sein. Immer nach dem Gottesdienst.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
25.Woche

 

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