Ein kleines Licht am 9. Juni

von Heike Sieberns; Vikarin in Damnatz, Langendorf und Quickborn

Donald Duck – Party in Entenhausen

Heute vor 75 Jahren hatte Donald Duck seinen ersten öffentlichen Auftritt. Eine Nebenrolle in dem Zeichentrickfilm „Die kluge kleine Henne“.  In den Jahren zuvor tauchte Donald Duck immer nur in Erzählungen auf, aber niemand bekam ihn zu Gesicht. Doch nun war die Stunde gekommen, dass er endlich die Leinwand betreten sollte. Um ihn nicht direkt zu überfordern, hatte er zunächst eine Nebenrolle neben Micky Maus. Die ersten Gehversuche im Showbusiness. Neben Micky konnte die kleine Ente viel lernen. Micky Maus, ein Star der internationalen Bühne, war schnell zur bekanntesten Figur der Welt von Walt Disney geworden. Denn ein Film mit Micky Maus war der erste bekanntere Zeichentrickfilm mit Ton. Es gab nun nicht nur fröhliche bewegte Bilder, sondern auch fröhlich klingende Stimmen eines Mäuserichs mit seiner Mäusedame Minnie. Stets gut gelaunt und das Herz am rechten Fleck. Micky Maus hat es vorgemacht, dass ein Star nicht viel mehr braucht, als Handschuhe, eine Latzhose, Schuhe und ein Lächeln auf den Lippen. 

2 ½ Jahre nach Donalds erstem Auftritt bekommt er seine eigene Kurzfilm-Reihe. Nun steht die Ente allein auf der Bühne. Donald hat es geschafft. Jedoch anders, als man sich das vielleicht wünscht. Donald wird nicht so ein Sunnyboy wie der Kollege Micky Maus. In seinen Kurzfilmen und Comics kann sich Donald nie allein von seiner Schokoladenseite präsentieren. Ständig kommt ihm etwas dazwischen oder irgendwas geht schief. Nicht gerade die Art, wie man gerne vor Publikum steht. Die Wutausbrüche kann ich Donald Duck kaum verübeln. Es gibt kaum einen Beruf, den er noch nicht ausprobiert hat. Aber weder das Dasein als Zoowärter, noch eine Karriere als Architekt oder Bergschafzähler wollen ihm gelingen. Es ist nicht so, als hätte Donald kein Talent. Immer wieder kann er zeigen, dass er das Zeug zum Meister hätte. Doch seine Selbstüberschätzung und temperamentvolle Art lassen ihn scheitern.

Aber einen Lichtblick gibt es in seinem Leben. Direkt im ersten Film bekommt die Welt seine Verlobte zu sehen: Daisy Duck. Seine große Liebe. Sie ist Mitglied in allen erdenklichen Damenclubs und Kaffeekränzchen. Auch wenn ihr Herz ganz allein Donald gehört, lässt sie sich hin und wieder schöne Augen von Gustav Gans machen. Dieser ist der Vetter von Donald Duck und das absolute Gegenteil von Donald. Das Glück ist ihm in die Wiege gelegt. Ständig gewinnt er im Lotto, findet Unsummen an Geld auf der Straße und ganze Diamanten in Pralinenschachteln. Gustav ist sich seines Glücks so sicher, dass er es nicht einmal für nötig hält, auch nur an Arbeit zu denken.

Bei Donald Duck sieht das Leben anders aus. Donald zieht immer den Kürzeren. Entweder sind es A-Hörnchen und B-Hörnchen, die ihm den Urlaub mit ihren Streichen vermiesen. Oder nebenan zieht ein Nachbar ein, der es auf den Krieg am Gartenzaun angelegt hat. Zudem leben bei Donald seine drei Neffen Tick, Trick und Track, die ihn ziemlich auf Trapp halten. Denn die Mutter der drei Jungs, Donalds Schwester, ist zu einer Expedition aufgebrochen, von der sie bis heute nicht zurückgekehrt ist. Ständig hecken die Drei etwas aus und strapazieren den ohnehin dünnen Geduldsfaden ihres Onkels bis aufs Äußerste. Selbst einen schönen Tanzabend mit Daisy können sie ihm nicht lassen. Jeder noch so kleine Anflug von Romantik wird von Tick, Trick und Track im Keim erstickt. Und trotzdem würde er für seine drei Neffen alles tun. Und das wissen sie auch.

Und als wäre der Vetter Gustav Gans mit seinem vielen Glück nicht schon Anfechtung genug, gibt es da noch den Onkel Dagobert Duck. Ein Fantastilliardär, der im wahrsten Sinne des Wortes im Geld schwimmt. Immer wieder ist Donald gezwungen, Geld von seinem Onkel zu leihen. Die Schuldenliste wird immer länger, was sein reicher Onkel schamlos ausnutzt. Um die Schulden zu begleichen, lässt er Donald seine Münzen polieren oder nimmt ihn als Packesel zu seinen Expeditionen mit. So gibt es neben dem Gegensatz von Glück und Pech auch noch Reichtum und Armut im Leben von Donald Duck. 

Aber es gibt noch etwas, das nicht unerwähnt bleiben darf. Im Jahr 1943 gewinnt Donald Duck den Oscar für den besten animierten Kurzfilm. Es ist ein Parodie auf den ideologischen Irrsinn in Nazideutschland. Einer der wenigen Filme, in dem Donald Duck nicht von seiner Wut und seinem Temperament übermannt wird, sondern ein Statement setzt. Seit 2004 hat Donald sogar einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. Für jemanden im Showbusiness eine große Ehre.

Ich mag die kleine schimpfende Ente. Sie verbindet inzwischen drei Generationen. Auch wenn ihm vor Wut oft der Qualm aus den Ohren steigt, ist er ein Liebling, den jede*r kennt. Donald Duck ist uns auf seine ganz eigene Art sympathisch. Vielleicht, weil bei ihm eben all das Ungeschick zu Tage tritt, das manch eine*r von uns nur zu gut kennt. Nur zu gern würde ich abstreiten, dass so ein wütender schimpfender Donald Duck manchmal auch in mir steckt. Und bei Donald Duck wird noch eins deutlich: Der Spruch „Jeder ist seines eigenes Glückes Schmied!“ war schon immer eine Lüge. Manch eine*r kann noch so oft den Hammer auf den Amboss knallen lassen. Manchmal läuft das Leben einfach nicht mit. Und dann kann man auch einfach mal wütend sein. Nichts wäre menschlicher. Auch für eine Ente.

Das vierundachtzigste kleine Licht.
Bleiben Sie behütet.
Ihre Vikarin Heike Sieberns

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend, außer am Wochenende von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

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