Predigt und mehr für den Sonntag Trinitatis in Laase

Das dööfste Fest von allen und wieso die Drei so wichtig ist

Predigt:

Heute ist der Sonntag Trinitatis. Eigentlich ein besonderer Tag. Eigentlich ein Feiertag.

Aber wenn das tatsächlich ein Feiertag ist, dann ist das doch der dööfste Feiertag von allen: Es gibt keinen Trinitatis-Baum, keine Trinitatis-Geschenke, keinen Trinitatis-Hasen und auch keinen Trinitatis-Braten. Keinen Schmuck, keinen Ausflug, keine Kekse. Keine Trinitatis-Deko, keine Grußkarten, kein Fröhliches Trinitatis. Keinen Trinitatis-Ochsen, Trinitatis-Busch, Trinitatis-Bier. Und wenn sie in Langendorf Schützenfest feiern, dann machen sie das nicht am ersten Wochenende nach Trinitatis, sondern am zweiten Wochenende nach Pfingsten. Am Buß- und Bettag gibt es auch fast nichts, aber wenigstens noch das Abendmahl. An Trinitatis gibt es gar nichts.

Nun ist Trinitatis ja das Fest der heiligen Dreifaltigkeit. Und ich glaube das Problem geht mit der Zahl Drei schon los. Wir haben an uns alles Mögliche. Aber wir haben an uns aber nichts was Drei ist.

Ich bin eine Person. Habe einen Kopf, einen Mund, eine Nase und einen Bauch.

Ich habe zwei Augen, zwei Ohren, zwei Hände und zwei Füße.

Mit drei habe ich nichts. Wenigstens so lange bei mir alles in Ordnung ist.

Ich habe vier Extremitäten. Arme links und rechts. Beine ebenso.

Fünf Finger an einer Hand. Fünf Zehen an einem Fuß. Ich habe aber nichts mit Drei.

Was ist Drei also für eine Zahl? Eine, die beim Menschen gar nicht vorkommt.

Aber um den Menschen drum rum. Da ist die Drei eine ganz besondere Zahl.

Drei ist die erste Zahl, die für alles steht. Habe ich nur zwei Punkte, dann habe ich zwei Gegensätze: Ja und Nein, heiß und kalt, schwarz und weiß. Nehme ich einen dritten Punkt, dann entsteht ein Dreieck. Die erste Fläche. Ganz viel Platz für Verschiedenes dazwischen.

Ein guter Freund von mir sagte mir mal: „In einer mündlichen Prüfung sagst du einfach: „Dazu möchte ich drei Dinge sagen!“ Zwei Sachen weißt du immer und vor der dritten kommt schon irgendwas anderes dran. Aber es klingt unwahrscheinlich schlau. „Ich möchte dazu drei Dinge sagen.“ Das klingt so, als würdest du alle Dinge darüber wissen.“

Mit den drei Dimensionen kann ich jeden Gegenstand beschreiben im ganzen Universum. Das Laaser Feuerwehrhaus: Wie lang, wie breit, wie hoch. Wo ist die Sonne zur Zeit von uns aus gesehen? Längengrad, Breitengrad, Höhe.

Drei ist die erste Zahl die für alles steht. Jedes Ding hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Wir Menschen bestehen aus Körper, Seele und Geist. Es gibt Kinder, Erwachsene und Alte. Dass es auch Jugendliche gibt wurde erst erfunden, nachdem man die Kinder nicht mehr mit 15 irgendwohin in einer Lehre zur Arbeit schickte. Da brauchte man auf einmal einen Begriff für die Zeit, in der die Kinder maulig den halben Tag in ihrem Zimmer hocken und mit ihrem Smartphone texten. Jugend.

Aller guten Dinge sind zum Beispiel drei. Deswegen passiert im Märchen immer alles dreimal. Zwei Müllersburschen ziehen los und werden verzaubert. Der dritte schlägt den bösen Zauberer tot, kriegt die Prinzessin und das halbe Königreich. Zweimal kommt das Rumpelstilzchen mit seiner Tour durch. Beim dritten mal wird es von der Müllerstochter ausgetrickst und reißt sich in zwei Stücke. Beim dritten Mal ist alles perfekt und die Geschichte die ist auserzählt.

Im christlichen Glauben ja nicht anders: Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Im Prinzip ist das schon alles.

Zwei Tage lang war Jesus tot, am dritten ist er auferstanden. Es gibt den Himmel und die Hölle und die Erde ist dazwischen. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Und eben Gott Vater, Gott der Sohn, Gott heiliger Geist.

Gott als Ganzes und in drei Teilen. Oder in drei Ansichtsweisen. Mehr gibt es nicht. Die Trinität. Die heilige Dreifaltigkeit. Alles in allem und perfekt.

Ich habe nichts an mir mit Drei. Aber es sind drei Dimensionen, die meine ganze Welt beschreiben: Wie breit, wie tief, wie hoch. Was ist um mich herum und wo bin ich?

Und Gott, wie er sich zeigt: Als Erschaffer dieser Welt und von allem, was es gibt. Als sein Sohn Jesus, wahrer Mensch und wahrer Gott. Und als der heilige Geist, die Kraft und die Energie und die Inspiration von Gott. Der unsichtbar und mit uns Menschen geschehen lässt, was Gott geschehen lassen will. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Trinitatis fasst alles zusammen. Weihnachten, Ostern, Pfingsten und eigentlich auch noch Erntedank. Eigentlich gäbe es heute richtig was zu feiern. Und vielleicht kommen findige Geschäftsleute da ja auch noch mal drauf. Statt Spargel- und Kartoffelsonntag. Trinitatis klänge doch vornehmer als meinetwegen Zuckerrübenmontag oder Schnittlauchdienstag. Und dann schenken wir uns Trinitatis-Geodreiecke. Oder Möbel zu selber aufbauen: Länge, Breite, Höhe. Oder ein neues Update für mein Navigationssystem.

Aber vielleicht geht es ja auch einmal ohne Trinitatis-Geschenke, Trinitatis-Baum und all so was drumrum. Und es ist auch keine Feier für uns. Sondern ein Fest für alles um uns rum. Ganz und gar.

***

Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Die Zahl drei, die alles umfasst. Aller guten Dinge sind drei. Offensichtlich ja auch beim Segen:

Der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der HERR segne dich und behüte dich;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.“

So sollen sie Gottes Namen auf die Israeliten legen, damit Gott sie segne. Und zwar dreimal. Damit es perfekt ist. In allen drei Dimensionen: Links und rechts, davor und dahinter, drunter und drüber. Voll und ganz.

Denn das kennt man auch so aus dem Märchen, aus Filmen und aus dem richtigen Leben: Wenn das dritte Mal nicht die Wende bringt, dann bleibt es auch so. Dreimal ist kein Zufall.

Achtet mal darauf. Ein Held im Kino darf sich zweimal verprügeln lassen. Dann darf er es noch einmal mit viel Wut und Training noch mal versuchen, um das Blatt zu wenden. Nach der dritten Packung brauchen wir einen anderen Held, der das dann für ihn regelt.

Und wenn eine Sache dreimal gut gegangen ist oder wenn sie beim dritten Mal gut gegangen ist, dann braucht der Film nicht noch mal eine Wendung. Dann reiten er und sie umschlungen in den Sonnenuntergang. Dreimal, öfter nicht. Das dritte Mal ist der Schlussakkord.

Nach dem dritten Teil des Segens ist deshalb auch alles gut. Die Sache ist perfekt. Keine Frage und auch keine Lücke mehr offen.

Dreimal ist genug. Mehr wäre übertrieben. Als würden die erste drei nichts taugen. Und dreimal muss es aber auch sein. Von allen Seiten, völlig sicher und ganz und gar.

Deswegen der Name des Herrn dreimal. Das Versprechen von Segen dreimal. Weil im Märchen alles dreimal geschieht. Und in der Kirche auch.

Aber in der Kirche werden ja keine Märchen erzählt. Und so ein Segen ist kein Wohlfühlspruch am Ende eines Gottesdienstes.

Ein Segen ist so eine Art Nahrung und Stärkung und Schutz für das, was nach diesem Gottesdienst alles vor uns liegt.

Ich weiß, dass der Segen für viele Menschen sogar der Höhepunkt eines Gottesdienstes ist. Der Augenblick, an dem die Menschen sich am wohlsten fühlen. Aber ein gutes Gefühl wäre mir zu wenig.

Der Segen ist der Rückenwind, ist mein Rundum-Kraftpaket, mit dem ich nach dem Gottesdienst wieder rausgehe in die Welt.

Und da gibt es gerade wieder eine Menge zu tun.

Das erste wäre nach wie vor die Corona-Epidemie. Die Krankheit ist ja noch da und es gibt immer noch kein Medikament und keinen Impfstoff. Wir müssen immer noch klug und vorsichtig und geduldig sein, um diese Krankheit in Schach zu halten. Der Segen schützt nicht vor Ansteckung. Aber es hilft ja schon viel, wenn ich mich nicht aus lauter Leichtsinn anstecke. Und wenn ich daran denke: Ich tue meinen Mitmenschen etwas Gutes, wenn ich vorsichtig bin.

Das zweite große Thema in diesen Tagen der Rassismus. Gegenüber den Afroamerikanern in den USA. Aber ja doch auch gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe hier bei uns. Als Christ weißt du, dass alle Menschen Gottes Kinder sind. Die Hautfarbe bedeutet nicht. Schon gar nicht, was du für ein Mensch bist. Aber leben wir das auch? Zählt die Hautfarbe nicht, wenn wir eine Wohnung vermieten wollen? Wenn wir einen Ausbildungsplatz vergeben? Oder wenn wir in der Bahn entscheiden: Setze ich mich zu dem oder dem?

Ich finde das ehrlich gesagt ernüchternd. Auf keinen Fall möchte ich Menschen nach ihrer Hautfarbe beurteilen. In der Theorie ist das ganz klar. Aber bin ich wirklich frei von Vorurteilen? Ich fürchte nicht. Gerne kann ich über die Polizei in den USA schimpfen. In Wahrheit habe ich in mir selber auch genug zu tun.

Und die dritte Baustelle ist für mich nach wie vor der Klimawandel und der Schutz unserer Umwelt: Wie können wir eigentlich leben, ohne unsere Welt kaputt zu machen? Wie muss die Landwirtschaft in Zukunft aussehen? Wie die Industrie? Wie mein eigener Konsum und mein eigenes Leben? Und auch hier wieder: Ich habe das dumpfe Gefühl, ich sollte am besten bei mir selber anfangen. Ich sollte bei mir was ändern. Aber das ist so unbequem. Wo nehme ich die Kraft dafür her?

Wie ich als Christin oder als Christ lebe, das zeigt sich nicht in diesem Gottesdienst. Das zeigt sich zwischen den Gottesdiensten in der Welt dort draußen. In meinen alltäglichen Entscheidungen. Der Segen am Ende eines Gottesdienstes soll mir helfen, das Gute von Gott in mein Leben mit zunehmen. Und es da wirken zu lassen: Links und rechts von mir. Oben und unten. Vor mir und hinter mir.

Und Trinitatis, dieses ungefeierte Fest, ist der Anfang von vielen, vielen normalen Sonntag. Der Anfang einer Zeit, in der wir Christinnen und Christen zeigen können, was wir gelernt haben. Was der Glaube mir bedeutet. Was ich selber beitragen kann in dieser Welt. Woche für Woche für Woche. Insofern ist Trinitatis doch ein richtig gutes Fest. Amen

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gebet:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segenslied:

Segne uns, o Herr!

Lass leuchten dein Angesicht

über uns und sei uns gnädig ewiglich.

Segne uns, o Herr!

Deine Engel stell um uns.

Bewahre uns in deinem Frieden ewiglich!

Segne uns, o Herr!

Lass leuchten dein Angesicht

über uns und sei uns gnädig ewiglich.

Dieser Beitrag wurde unter Corona, DaLaQui, Damnatz, Langendorf, Quickborn, Texte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.