Ein kleines Licht am 28. Mai

Lebendige Steine

Wenn ich mir die Quickborner Kirche von außen ansehe, dann fällt mir eine Sache besonders auf: Diese Kirche hat einen verdammt dicken und massigen und schweren Turm. Und die Wände des Turms, die sind wahrscheinlich doppelt oder dreimal so dick die die Mauern vom Kirchenschiff.

Dabei ist die Kirche ein Ziegelbau. Ebenso der Turm. Klotzige Ziegel, rot bis braun. Alle im Klosterformat. Alle ein bisschen länger, breiter und höher als heute die modernen Ziegel. Nichtsdestotrotz hatten die Steine alle ihr besonderes Maß. Deshalb konnten die Bauleute schon damals Schicht für Schicht so einen dicken Turm hochmauern.

Das eigentlich Interessante liegt im Detail. Weil so ein Turm so ein großes Gewicht hat, braucht er auch ein ordentliches Fundament. Dieses Fundament ist in Quickborn aus Findlingen und Feldsteinen gemacht. Und ein gutes Stück von dem Fundament liegt als Feldsteinsockel sogar über der Erde.

Quickborner Maria-Magdalena-Kirche, Nordseite. FotografIn leider nicht mehr zu ermitteln.

Deshalb kann man so gut sehen, wie der Sockel und das Fundament gemauert sind. Feldsteine oder Findlinge gibt es nämlich nicht im Klosterformat. Die sind mal groß, mal klein, eher flach oder kugelrund. Manche sind auf der einen Seite so und auf der anderen Seite ganz anders. Deshalb kannst du mit Feldsteinen nicht einfach Schicht auf Schicht mauern. Und du kannst einen Feldstein auch nicht einfach irgendwo verbauen.

Nein, der Maurer hat damals jeden Stein einzeln zur Hand genommen und genau überlegt, wo er mit dem was anfangen kann. Der passt hier hin, der dort hin. Der andere ist wie für diese Lücke hier gemacht. Und der wieder, der passt gut auf diese zwei. Das ist schon eine ganz andere Art zu mauern.

Aber vor allem denke ich: Gerade die ganz verschiedenen und manchmal ja auch krummen und schiefen Steine tragen gemeinsam das ganze Gewicht. Die halten was aus.

Für mich ist dieser Feldsteinsockel, dieses Fundament aus lauter verschiedenen Steinen so was wie ein Sinnbild für die Kirche und die Gemeinde überhaupt.

Wir Menschen sind ja schließlich auch alle verschieden. Wir können unterschiedliche Dinge, wir haben verschiedenes gelernt. Manch einer ist eher still und ein guter Zuhörer. Manch eine kann mit Worten andere begeistern und mitreißen. Die einen sind praktisch geschickt, die anderen wissen theoretisch viel. Einer kann gut singen, der andere einen Gemeinderaum streichen. Der eine ist ein Organisationstalent, die andere sorgt für gute Laune. Noch eine andere ist eine Macherin.

Einer allein könnte gar nichts tun. Aber alle zusammen, verschieden, unterschiedlich und jeder bei dem, was er gut kann – das schafft gewaltig.

In der Kirche ist dann noch mal wichtig, dass die Grundrichtung stimmt. Die gibt bei uns Jesus vor. Und dann baut sich darauf großartig und toll die ganze Kirche auf. Nicht aus Feldsteinen oder Ziegeln, sondern aus lebendigen Steinen. Aus dir und mir.

Glaubst du nicht? Dann lies nach. Petrus hat es aufgeschrieben: 1. Petrusbrief, Kapitel 2, Verse 4 und 5.

Das zweiundsiebzigste kleine Licht.

Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend, außer am Wochenende von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

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