Gottesdienst an Himmelfahrt in Sipnitz

Da wohnt ein Sehnen tief in uns…

Eingangsgebet:

Jesus Christus, du bist aufgefahren in den Himmel.

Öffne uns hier – auf der Erde, in unserem Alltag den Himmel Gottes.

Hilf uns,darauf zu vertrauen, dass du uns nah bist.

Damit der Glaube an dich unsere Furcht überwindet,

uns hoffen lässt und uns stark macht für das ewige Leben bei dir.

Du Jesus, der mit dem Vater und dem heiligen Geist lebst und regierst, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen

Predigt ausgehend von dem Liedtext „Da wohnt ein Sehnen“:

Heike Sieberns:

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1.) Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.

In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.

Als sich im März die Nachrichten überschlugen, saß ich jeden Abend vor dem Fernseher. Ich wollte verstehen, was da passiert. Hier in Deutschland, in Europa und in der Welt. Nur ganz langsam verstand ich, wie groß diese Sache ist. Deutschland kann nicht mal eben schnell ein paar Gesichtsmasken in Frankreich kaufen. Weil die dort nämlich auch keine haben. Schnapsbrennereien stellen ihre Produktion auf Desinfektionsmittel um. Und VW versucht Beatmungsgeräte herzustellen.

Alles steht Kopf und alle bemühen sich. „Endlich,“ dachte ich, „endlich müssen sich alle mal an einen Tisch setzen. Alle Länder dieser Erde. Alle haben ein Ziel: Die Menschen müssen geschützt werden. Da ist kein Streit um Ressourcen. Keine Machtspiele um wirtschaftliche Vorteile. Denn diese Sache geht alle gleichermaßen an. Alle sind betroffen. Da kann niemand irgendwem die Schuld in Schuhe schieben…“

Das dachte ich.

Seit ein paar Wochen gucke ich nur noch ungern in die Nachrichten. Ein Schuldiger wird gesucht. China habe nicht schnell genug reagiert. Die Weltgesundheitsorganisation habe die Pandemie nicht früh genug ernst genommen. In Deutschland tuen sich Impfgegner, Esoteriker, Neonazis und die Antifa zusammen. Und sie behaupten, der Staat würde den gefährlichen Virus nur vorgaukeln. Um Deutschland in eine Diktatur zu verwandeln. 

Und ich dachte, endlich ziehen alle an einem Strang. Endlich ein friedlicher und besonnener Umgang miteinander. Das dachte ich…

Es stimmt. Meine Freiheit war noch nie so eingeschränkt, wie in den letzten Wochen. Ich dufte meine Freundinnen nicht besuchen. Die Treffen standen schon seit Monaten in meinem Kalender. Ich hatte mich so sehr gefreut! Erst zu meiner Sandkastenfreundin nach Düsseldorf. Es hatte so lange gedauert, ein gemeinsames Wochenende zu finden. Und eine Woche später wollte ich zu einem Treffen mit meinen Studienkolleginnen. Und jetzt fiel alles ins Wasser.

Unsere Freiheit ist unser Grundrecht. Ein Recht, dass allen zusteht. Und genau da liegt der Punkt, warum es okay ist, mein Treffen mit den Mädels verschieben zu müssen. Wenn ich mir meine Freiheit nehme und in der Weltgeschichte umherfahre, setze ich die Freiheit und Gesundheit anderer aufs Spiel. Und ich würde es nicht einmal merken. Vielleicht würde ich den Virus bekommen, während ich den Knopf der Zugtür drücke, mit dem ich zum Treffen fahre. Und schon wäre ich ein Risiko für andere. Am Bahnhof ist immer ein Gedränge. Ich würde niesen, weil die Pollenallergie meine Nase quält und schon verteile ich den Virus. Denn auch eine Maske bietet keinen absoluten Schutz. Und wenn es nun blöd gelaufen ist, stand irgendwer zu nah neben mir und hat was abbekommen. Und ich habe nichts davon gemerkt.

Freiheit bedeutet momentan, dass ich mich einschränke. Das ist verrückt. Aber wenn sich möglichst viele daran halten, gibt es die Hoffnung, dass wir bald wieder umherfahren können. Dass ich nach Monaten meiner Freundin in Düsseldorf endlich wiedersehe. Noch später als gedacht. Aber nicht weniger herzlich.

Tamara Haaker-Jung:

Da wohnt ein Sehnen tief in uns o Gott, nach dir, dich zu sehen, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir.

In Ohnmacht, in Furcht sei da sei uns nahe Gott.

Einsicht..sollte man immer mal haben.Hatte jeder schon mal.

Mittlerweile sollten auch mal ALLE die Einsicht haben- Masken helfen, Abstand halten auch!

Nächstenliebe.

Was du nicht willst was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

Sei da – sei uns nahe Gott!

Die neuesten Lockerungen, ich traue mich raus und treffe mich mit einer Freundin zum Spaziergang.

Ich biege also um die Ecke, sie erblickt mich, ich freu mich auf ein Gespräch,l ang ersehnt und was hab ich im Gesicht?

-na klar die Maske und ernte ….. Spott.

Ganz Toll !

Ich mach mich grade, rücke die Maske zurecht und mache klar, dass die Maske gerade in diesem Moment SIE schützen soll . Ich tue das auch für sie!

Ok, ok…, ist ja gut”

Ich entspanne mich, sie hat es akzeptiert. Kann losgehen…

Sei da – sei uns nahe Gott!

Ohnmächtig müssen sich die Menschen in der schlimmsten Phase in China, Spanien, Italien und an vielen anderen Orten auf der Welt gefühlt haben.

So viele Infizierte, so viele Tote ,verzweifeltes, überarbeitetes Personal an vielen Stellen.

Wie viele haben um Beistand gebeten, gebetet ,gefleht .

Sei da – sei uns nahe Gott!

Keine Ausgangssperre, geöffneter Einzelhandel, gelockertes Kontaktverbot,

der Unterricht in den Schulen läuft langsam an,

zwei Haushalte dürfen sich treffen, Restaurantbesuche

– eine neue Normalität kehrt zurück.

Und da hängt noch etwas Furcht herum…

Werden alle vorsichtig genug sein? Einsichtig genug? Sich beherzt an die Maßnahmen halten?

Damit sich niemand deswegen wie ohnmächtig fühlen muss,

wenn man im überfüllten Krankenhaus steht, gelähmt von Furcht.

Sei da – sei uns nahe Gott!

Jörg Prahler:

Da wohnt ein Sehnen tief in uns o Gott, nach dir, dich zu sehen, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir.

In Krankheit, im Tod, sei da sei uns nahe Gott.

Das wusste ja schon Reinhard Mey: Wenn einer weg fliegt und ein anderer bleibt am Boden, dann wird die Sehnsucht grenzenlos stark. Keiner besingt das so schön wie er.

Am Himmelfahrtstag sind wir die am Boden. Die Hinterhergucker. Die, die gerne mitgeflogen wären. In den Himmel, wo es ganz schön ist und du ganz nah. Ich habe Durst nach Glück, nach Liebe, nach Freiheit. Langsam aber sicher fehlt mir die normale Zeit. Die Wände rücken näher, die Fenster werden kleiner in unserm Haus.

Ich habe so Sehnsucht nach vielen fröhlichen Menschen. Nach Tanz und buntem Licht.

Und doch weiß ich ja, ich werde mich noch eine Weile sehnen müssen. Andere Dinge stehen an.

Wir dürfen die Nerven nicht verlieren und nicht den Verstand.

Immerhin werden wir gebraucht. Immerhin haben wir hier zu tun. Keine Zeit, um in die Luft zu gucken.

Die Arbeit liegt zu unseren Füßen. Und die Kranken müssen gepflegt und die Sterbenden begleitet und die Trauernden getröstet werden. Und bei all wird Gott gebraucht und alle, die ihm im Herzen tragen. Und wir werden Kranke heilen können und Niedergedrückte ahnen eine neue Zukunft.

Es ist und es bleibt erst mal eine schwere Zeit.

Aber ist es nicht auch so: Wenn der Regen erst vorbei ist, scheint die Sonne auch aus jeder Pfütze.

Das ist doch das ganz Eigenartige mit dir Jesus, jetzt bist du doch schon weggeflogen und dennoch bist du überall.

Tamara Schulz:

Da wohnt ein Sehnen tief in uns o Gott, nach dir, dich zu sehen, dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir.

Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe Gott.

Ich konnte heute Morgen nicht mehr schlafen und kam ins Grübeln:

Eigentlich war meine Predigt, mein Teil zu diesem Lied schon längst geschrieben. Den hatte ich Jörg auch schon per Mail geschickt. Aber als er mich anrief zu meinem Geschriebenen hatte ich das Gefühl, dass er mir sagen wollte: „Tamara, ganz gut und schön, aber, am Thema vorbei: Setzen , 6.“

Ich war sehr unzufrieden mit mir und mit meiner Leistung. Das beschäftigte mich.

Dass du Gott, das Sehnen, den Durst stillst…

Seit Wochen können wir keinen Gottesdienst mehr feiern. Ich hatte mich auf meinen Ostergottesdienst vorbereitet, Konfirmanden engagiert mit zu machen und hatte mir alles so schön ausgemalt. Und dann kam die Nachricht: kein Gottesdienst, an einem so wichtigen Tag für die Christen. Wie sollte ich denn jetzt die Auferstehung spürbar machen, davon erzählen, mit den anderen feiern?

Wir waren an dem Morgen ca. 15 Leute, die sich gegen 10.15 Uhr vor der Kirche bei Sonnenschein eingefunden hatten. Zwei Bläser spielten einige Choräle und ein Mädchen spielte spontan Flöte dazu. Ich hatte ihr mein Gesangbuch hingehalten für die Noten, natürlich auf Abstand und habe dazu gesungen. Zum Schluss haben wir zusammen das „Vater unser“ gebetet und sind mit einem Segen in den Tag gegangen.

Dass du Gott, das Sehnen, den Durst stillst…

Letzte Woche, Mittwochabend: Ich fahre ganz euphorisch in die Kirche: Es geht wieder los: Gottesdienste dürfen wieder stattfinden. Wir, die Lektoren, treffen uns mit dem Kirchenvorstand, mit Heike Sieberns und Jörg Prahler in der Damnatzer Kirche, um die Bestimmungen und Voraussetzungen für die zukünftigen Gottesdienste zu besprechen. Natürlich auf Abstand und mit Mund- und Nasenschutz.

Aber nach dieser Besprechung falle ich in ein Loch: kein Singen der Gemeinde, keine Kissen für die Kirchbänke, alle auf Abstand sitzen, bloß nichts anfassen … Ist das Gottesdienst, so wie ich ihn mir vorstelle? Ist das Gemeinschaft, so wie ich sie mir wünsche?

Gefrustet fahre ich nach Hause.

Das du Gott, das Sehnen, den Durst stillst…

Sonntagmorgen, 10.30 Uhr Gottesdienst in Damnatz. Ich gehe hin und bin freudig überrascht, wie viele Leute in der Kirche sind. 26 sind erlaubt und ich glaube, viele fehlten nicht, um zu sagen „Die Kirche ist voll.“

Eine andere Form des Gottesdienstes erleben wir da. Mit Maske. Jörg Prahler, der uns „alleine“ mit seiner Musik durch den Gottesdienst führt. Und die Gemeinde ist dankbar, dass es wieder losgeht. Selbst Konfirmanden sind da, die eigentlich diesen Tag ihre Konfirmation gehabt hätten und sehnsüchtig auf einen neuen Termin warten.

Und meine Zweifel mit dem Sitzen waren auch unberechtigt, denn, wer wollte hatte sich ein Kissen mitgebracht.

Das du Gott, das Sehnen, den Durst stillst…

Nun sind wir hier, bei schönem Wetter in Sipnitz. Mit so vielen Leuten, die ihren Durst stillen wollen.

So wie wir es gewohnt sind. Nicht ganz, denn der Abstand bleibt, die Maske ist noch da, es gibt keine Wurst oder kein Kuchen.

Aber, wir sind in Gemeinschaft. Wir feiern wieder Gottesdienst und werden gleich Fürbitte zusammen halten.

Andere Formen der Gottesdienste werden wir, ob Tamara, Heike, Jörg oder ich zunächst lernen müssen. Aber wir sind ganz offen für Anregungen, für Rückmeldungen. Geben sie uns eine Change diese Gottesdienste in der Corona-Zeit neu zu entdecken.

Denn: Auf dich hoffen wir, sei da, sei uns nahe Gott. Amen

 

Gebet:

Zum Fürbittengebet darf jede und jeder etwas beisteuern.

Dann beten wir gemeinsam:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren

Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Und nun geht hin im Frieden des Herrn!

Segen:

Der Herr segne dich und behüte dich,

der Herr lasse sein Angesicht leuchten

über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich

und gebe dir Frieden.

Amen.

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