Ein kleines Licht am 6. Mai

15 Jahre

Auf den Tag genau vor 15 Jahren wurden meine Frau Marion und ich in Dannenberg getraut. Es war ein wunderschöner Frühlingstag, als wir zum Standesamt im alten Dannenberger Rathaus gingen. Mit dabei waren unsere Eltern und Geschwister, deren Kinder und unsere beiden Trauzeugen. Holger Bannöhr hat die Zeremonie sehr schön und sehr feierlich abgehalten.

Nach dem Standesamt wollten wir schnell ein paar Fotos machen und dann mit der Familie essen gehen. Alles klein und im privaten Kreis. In der Kirche heiraten und so richtig groß feiern, wollten wir erst im folgenden Jahr.

So wie ihr euch das denkt, wird das nicht werden. Guckt mal aus dem Fenster!“ Und wir guckten aus dem Fenster. Bald der ganze Marktplatz stand voller Leute: Noch mehr aus unserer Familie, Freunde und Bekannte aus Bremen und aus Unterlüß, die halbe Gemeinde und das halbe Fritz-Reuter-Gymnasium. Konfis, Kirchenvorsteher und Kollegen. Marions Gospelchor aus Bremen und Marions Kammerchor von der Schule.

Marion Haesloop und Jörg Prahler am 6. Mai 2005 in Dannenberg vor dem Alten Rathaus.

Foto: privat

Bevor wir uns in die Menge wagten, haben wir uns für ein paar schnelle Fotos zu zweit hinten aus dem Standesamt geschlichen. Frau Krenz hat ein paar Bilder geschossen. Dann vorne raus zu all den lieben Menschen. Hände schütteln und umarmen. Fröhliche Gesichter, Freudentränen, ein Glas Sekt und hundertmal Prost. So viele Menschen, die sich mit uns freuten. Alles das machte meine Freude erst vollkommen.

Bis bald und vielen Dank. Auf Wiedersehen, spätestens am Polterabend oder bei der großen Feier nächstes Jahr im August!“

Dann nach Quickborn in den Jägerhof. Hochzeitssuppe und so weiter. Glückliche Frau, glücklicher Mann. Mutter und Schwiegermutter verdrücken eine Träne. Vater und Schwiegervater gucken stolz.

Irgendwann sitzen wir wieder alleine auf dem Sofa: „Mann, wie war das schön!“

Dabei war das doch alles nur der Anfang: Ein paar Wochen später wurde unsere Tochter geboren. Das Jahr drauf eine wundervolle Hochzeit in der Kirche und eine wilde Party auf dem Saal. Unser Sohn kommt auf die Welt. Krankheit, Angst und Hoffnung. Die ersten Schritte von den Kleinen. Neue Freunde, andere Feste, Urlaubsreisen, Kinderdisco, Mini-Club. Arbeit und Familie unter einen Hut kriegen. Routine und durcheinander. Verträumte Augenblicke, heftig streiten. Lachen und weinen. Sich zanken und versöhnen. Zusammenhalten. Und dann sind 15 Jahre rum: „Ich hab dich lieb.“ Das ist richtig gut.

Vor 15 Jahren war auch so ein schöner Frühlingstag. Aber sonst ist vieles heute doch ganz anders. 1,5 Meter Sicherheitsabstand. In der Kirche und wahrscheinlich auch im Standesamt und auf dem Saal. Nicht zwischen Braut und Bräutigam natürlich. Aber ansonsten. Wie soll das gehen?

Ich denke an die vielen Paare, die sich ihre Hochzeit ganz anders vorgestellt haben. Die jetzt schon alles verschoben haben. Die noch überlegen, ob sie im Juli, August, September ihre Hochzeit feiern können. Und wenn ja, wie? Ich denke an die Paare, die jetzt so wie wir damals im kleinen Kreis erst Mal standesamtlich geheiratet haben. Wahrscheinlich in noch kleinerem Kreis. Und dann aber ohne alle ihre Freunde und Verwandten vor dem Alten Rathaus.

Gerade bei Hochzeiten hast du doch feste Vorstellungen, wie das alles werden soll. Der schönste Tag im Leben! Der perfekte schönste Tag im Leben!

Aber für das echte Leben taugen derart festgemauerte Vorstellungen sowieso nicht. Schönster Tag des Lebens? Ich hoffe eigentlich immer, dass Ehepaare noch viele, viele super schöne Tage erleben. Tage, die noch schöner sein werden als der Tag ihrer Hochzeit. Wäre doch auch blöd, wenn du den „schönsten Tag“schon gleich am Anfang hinter dir hättest.

Und wichtiger, als dass du einen geplanten Termin einhältst, ist doch was ganz anderes: Dass du überhaupt die Frau deines Herzens gefunden hast. Dass der Mann, der dich dein ganzes Leben lang begleiten soll, an deiner Seite ist. Das soll gefeiert werden. Vielleicht erst Mal noch ganz klein. Und ganz groß eben dann, wenn das wieder geht.

Hauptsache ihr liebt euch. Hauptsache, es geht euch gut. Alles andere findet sich.

Ja, der Tag, an dem man heiratet, der ist und bleibt ein ganz besonderer Tag. Aber ganz besonders wichtig, sind doch viele Tage: Wenn er jetzt verzweifelt ist und sie merkt es und tröstet ihn. Wenn ihr gerade alles zu viel wird und er zeigt ihr: Ich bin für dich da. Oder wenn ihr zwei zusammen etwas schafft, woran einer alleine doch gescheitert wäre.

Wenn du einen Menschen fürs Leben gefunden hast, dann zählt nicht nur ein Tag, dann zählen alle Tage. Und eure Liebe könnt ihr feiern klein und auch ganz groß. Mit Musik auf vollem Saal oder zu zweit und ganz allein. Termine sind nicht wichtig. Liebe ist wichtig. An besonderen Tagen und an jedem Tag.

Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit“. (Brief an die Kolosser, Kapitel 3, Vers 14)

Das fünfzigste kleine Licht.

Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

PS: Unser Trauspruch bei unser kirchlichen Hochzeitsfeier steht übrigens beim Propheten Micha, Kapitel 8, Vers 6: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

Meine Oma hat aber gar kein Internet”? Aber du! Es ist ausdrücklich erlaubt, diese Beiträge auszudrucken, zu verschicken, zu teilen oder zu verlinken. Gebt sie gerne an alle weiter, die sich darüber freuen und vor allem an die, die sonst keine Zugang dazu hätten.

Rückmeldungen, Fragen oder Anregungen gerne an joergprahler@gmx.de.

Dieser Beitrag wurde unter Corona, DaLaQui, Damnatz, Langendorf, Quickborn, Texte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Ein kleines Licht am 6. Mai

  1. Jörg Prahler sagt:

    Heiratspläne in Zeiten von Corona – was sind Eure Erfahrungen?
    Oder welche Erinnerungen habt Ihr an Eure Hochzeit?
    Was ist Euer Hochzeitsspruch?

  2. Anonymous sagt:

    Och, wie schön!!!
    Alles Liebe und Gute für zum Hochzeitstag.
    Viele Glück, Freude und eine segensreiche Gesundheit für Dich und Deine Familie!

  3. Kerstin Harms sagt:

    Jörg, das MUSS in den nächsten GBR. Mit Foto bitte.

  4. Jörg Prahler sagt:

    Zur Goldenen Hochzeit vielleicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.