Predigt über Johannes 15, 1-8 am Sonntag Jubilate von Pastor Eckhard Kruse

Ungehaltene Predigt über Johannes 15, 1-8 am Sonntag Jubilate von Pastor Eckhard Kruse

Liebe Gemeinde!

Als wir in der Nacht von Silvester auf Neujahr 2020 darüber nachgedacht haben, was uns das Jahr 2020 bringen wird, ist niemand auf die Idee gekommen, dass am Sonntag Jubilate die Kirche abgeschlossen sein könnte. Viele Familien haben an den Gottesdienst am 3. Mai 2020 gedacht, und vor ihrem inneren Auge gesehen, wie die Konfirmanden unter dem jubelnden Klang der Orgel in die vollbesetzte Kirche einziehen werden.

Auch Pressemeldungen wie „Gottesdienste und Zoobesuche werden wieder erlaubt“, hätte man sich in keinem Alptraum vorstellen können. Gottesdienste unterliegen solch strengen Auflagen, dass dies kein Grund zum Jubel ist. Man darf in den Kirchen nicht singen. Wie sollen wir Jubilate feiern, ohne zu singen?

Da in den Nachrichten dieser Tage „Gottesdienste und Zoobesuche“ in einem Satz zusammengefasst werden, reizt es den Pastor, über Erfahrungen der Vergangenheit nachzudenken. Wenn die Gemeinde in der übervollen Kirche zur Konfirmation zusammenkam, wurden die festlich gekleideten Konfirmandinnen und Konfirmanden bewundert. Viele Gäste waren offensichtlich seit Jahren nicht mehr in einer Kirche, außer zu Heiligabend. So oft, wie der Pastor einen Zoo besucht. Die vertraute Gemeinde fehlte, und wurde durch den Kirchenvorstand vertreten, denn die gewohnten Plätze in den Kirchenbänken waren besetzt. Der Gesang der ungeübten Gemeinde war nur schwer mit dem Sonntag Jubilate zu verbinden, von Jubel konnte keine Rede sein. Höchstens, indem man jubilierendem Orgelspiel, Posaunenchor und Chorgesang festlich ergriffen lauschte.

Konfirmation hat mit Aufbruch zu tun, mit Abschied auch. Die Konfirmanden sind bisher gemeinsam ihren Weg gegangen. Nach der Konfirmation beginnt eine unbekannte Zeit, mit Berufswahl, Partnerwahl und anderen großen Entscheidungen. An dieser Lebensstufe sprechen wir den Jugendlichen den Segen zu. In diesem Jahrgang später als geplant.

Konfirmanden lernen: „Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“Die tröstende Ermutigung des Evangeliums ist für uns alle wichtig, die wir uns im Bild des Weinstocks wiederfinden. Ob eine Konfirmation verschoben wird, oder schon 50 Jahre zurückliegt.

Ob wir jugendlich grünen (wie die Rebe jetzt an dem uralten Weinstock am Pfarrhaus),
ob wir Früchte tragen (wie bei der Goldenen Konfirmation),
oder ob wir uns ganz verdorrt vorkommen, wie ein Weinstock im Winter:
Solange wir mit der Wurzel des Weinstocks verbunden sind, und sich der Weingärtner um uns kümmert, brauchen wir uns in einem letzten Sinne nicht zu fürchten.

Christus ermutigt uns: „Bleibt in mir und ich in euch.“

Johann Sebastian Bach hat zum Sonntag Jubilate die Kantate komponiert „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (BWV 12). Er stellt dem Leid der Gläubigen das Leiden Christi gegenüber, um am Ende den getreuen Christen das Ende aller Mühsal zu verkünden. Daher schließt die Kantate und diese Predigt mit der letzten Strophe des Liedes

„Was Gott tut, das ist wohlgetan, / dabei will ich verbleiben.
Es mag mich auf die rauhe Bahn
Not, Tod und Elend treiben,
so wird Gott mich / ganz väterlich in seinen Armen halten;
drum lass ich ihn nur walten.“ (EG 372,6)

Dieser Beitrag wurde unter Ohne Kategorie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.