29. April 2020 – wie’s Kind zur Weihnachtsgabe

Gedanken zum Tag

Ich danke Gott und freue mich, wie’s Kind zur Weihnachtsgabe, dass ich bin und dass ich dich schön Antlitz habe, und dass mir dann zumute ist als wenn wir Kinder kamen und sahen, was der heilge Christ bescheret hatte. Amen.
Gott gebe mir nun jeden Tag, so viel ich brauch zum Leben. Er gibt’s dem Sperling auf dem Dach, wie sollt er’s mir nicht geben. (Matthias Claudius 1740-1815)
Sitzen und warten auf die Bescherung. Diese reine Freude eines Kindes erreichen wir Erwachsenen nie wieder. Arglose Freude, ungetrübt von Berechnung und von Absicht. Schon die Vorfreude, dieses zappelige Sehnen und Wünschen bis an den Himmel, kein Wunschzettelpapier ist groß genug dafür. Kinder können noch maßlos wünschen.
Sitzen und warten auf die Bescherung. Aber es liegt wenig adventliches Warten in diesen Tagen. Ist ja auch noch nicht Advent. Oder doch? Warten auf die Bescherung. Warten darauf, dass bald alles wieder so wird wie vorher? Und ist dann alles wieder so wie vorher, wenn alle Läden geöffnet sind, die Förderbänder wieder laufen, jeder dahin hin fliegen kann, möglichst weit weg und hoffentlich noch für 30€. Warten auf die Bescherung. Die wirtschaftliche Bilanz wie wird sie am Ende wirklich sein? Gewinne kannste in den Wind schreiben. Kürzungen, Entlassungen, tut uns Leid, rechnet sich nicht mehr für den Betrieb. Sitzen und warten auf die Bescherung. Beschert sie uns neue, sozialere Wege? Mit weniger Auto mobil, mit weniger Fliegern. Und die Menschen in den systemrelevanten Jobs bekommen endlich mehr Geld, nicht bloß eine Sonderprämie. Gewinne einsetzen fürs Ganze, weg von Privatisierung, was in öffentliche Hand gehört.
Ich freue mich wie’s Kind zur Weihnachtsgabe…weil mir schon diese Zeit etwas beschert: wie sehr wir Menschen einander brauchen und wie sehr wir auf niemanden verzichten können, um selber ein Mensch zu sein. Dass eben die Liebe sich lohnt. Großes Wort, aber unverzichtbar. Gott macht es vor: wie’s Kind zur Weihnachtsgabe.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis
Mittwoch 29. April 2020

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