27. April 2020 – Immer soll die Sonne scheinen

Gedanken zum Tag

Es zieht einen nach draußen. Wer kann, ist mit dem Fahrrad unterwegs, läuft Kilometer durch die Feldmark, geht spazieren oder walken, findet einen freien Spielplatz oder sitzt einfach auf der Terrasse oder dem Balkon – in der Sonne. Oder manchmal auch nur alle Türen auf, alle Fenster auf – die Sonne wärmt schon! Und diese Düfte im Garten! Der Flieder beginnt zu blühen, der Duftschneeball und meine persönlichen Frühlingsfavoriten: der Goldlack und die Apfelblüte. Einmal die Nase reinhalten. Es duftet von weither nach Kindheit,  nach Einfach Dasein, nach Lebensgefühl, nach Verschwendung pur. Aufatmen. Die Blüten machen es vor, die lindgrünen Blätter an der Eiche auf dem Kirchplatz. Manches kommt erst später, braucht noch mehr Wärme, muss noch überredet werden.
Immer soll die Sonne scheinen. Immer soll der Himmel blau sein. Immer soll die Mutter da sein. Und immer auch ich! Von einem 4 jährigen Jungen wurde es 1928 in Moskau an einen Zeitungsrand gekritzelt. Ein russischer Dichter nahm es auf und es wurde ein Lied und ging um die Welt. Pete Seeger machte es 1965 zu einem Protestlied gegen Wettrüsten und den Vietnamkrieg. Arlo Guthrie sang es, die Jungen Pioniere in der DDR sangen es, und Frederic Vahle der Friedensmaler und die Kinder der Friedensbewegung. 1974 wurde es ins Hebräische übersetzt, ins Schwedische, in andere Weltsprachen. Ein Lied verwandelt sich. Von Hoffnung zu Hoffnung. Von Anspruch zu Anspruch. Von der Hoffnung eines Einzelnen zu einer Hoffnung von vielen. Weil so viel dagegen spricht. Weil die Sonne nicht für alle scheint. Weil der Himmel nicht für alle blau ist. Weil nicht alle Schutz und Nähe erleben. Weil manche dem Leben nicht trauen können. Manchen wird und wurde der Himmel auch braun geredet oder mit Streifen, national. So daß Alfred Andersch dichtet: Empört euch. Der Himmel ist blau. Ja, das ist er. Auch wenn es dringend regnen müsste. Der Himmel ist blau und weit und grenzenlos und voll Versprechen vom Himmel, denn Gott ist auch da mit unbändiger Freude am Leben. Die Grünkraft zum Leben trägt seinen Namen.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
Montag 27. April 2020

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