26. April 2020 – Von Schafen und Hirten

Gedanken zum Tag

In den vergangenen Wochen, ja es sind schon Wochen, waren wir alle ziemlich tapfer, ziemlich diszipliniert und verantwortungsbewusst. Ich finde, man könnte uns alle auch mal dafür loben, dass wir es so gut durchgehalten haben. Niemand ist irgendwem an die Gurgel gesprungen und hat wen zum Mond geschossen, auch wenn einem danach war. Es haben Türen geknallt, aber man hat es auch geschafft, sie wieder zu öffnen. Die Lieben haben sich nicht verabschiedet, auch wenn man sich lange nicht gesehen hat. Ich finde, man könnte uns dafür auch mal ein ganz großes Lob aussprechen. Auch wenn manche murren, sie fühlten sich bevormundet, in ihrer Freiheit von Staats wegen beschränkt. Trotzdem. Ein Lob für uns! Nein, wir sind nicht einfach bloß dämliche Schafe, die alles mitmachen, was man von uns will. Ich finde, wir sind eher Hirten gewesen und sind es noch, die Verantwortung für sich selbst und für andere übernommen haben und es immer noch tun. Wir sind Hirten und passen aufeinander auf, jede und jeder an seinem Ort. Weil ich das Bild von den Hirten schön finde, darum ärgert mich das Wort „Herdenimmunität. Eine Herde, soundsoviele müssen sich anstecken und Abwehrstoffe entwickeln, damit sich das Virus totläuft. Es tobt in der Welt herum und irgendwann hat es sich ausgetobt. Herdenimmunität. Mag ja medizinisch so sein, aber das Wort gefällt mir trotzdem nicht. Ich wische es in die Schublade, da sind schon andere Wörter drin. „Sündenbock“ oder „Legehennenbatterie“, Wörter, die weh tun.
Barmherzigkeit Gottes, ein guter Hirte geht mit uns durch unsere Zeit – das ist die Verheißung von diesem Sonntag. Eigentlich würden heute mein Konfirmand und meine Konfirmandinnen konfirmiert, eingesegnet, wie man früher noch sagte. Gesegnet von Gott, dass sie ihren Weg finden, den, den sie auch wollen. Nicht als Herdenvieh oder dämliche Schafe alles mit machen, was angesagt ist, sondern sich entscheiden können, wofür sie ihre Freiheit einsetzen wollen. Mit den anderen oder gegen die anderen. Konfirmation, du bist gesegnet und du kannst ein Segen sein! Das kann ich gut hören, weil meine Konfirmation schon 49 Jahre her ist!
Sei gesegnet von Gott.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
Sonntag 26. April 2020

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