24. April 2020 – Tischgebet

Gedanken zum Tag

Ein christlicher Missionar wandert tapfer durch die Wüste. Gewappnet mit der Macht des Gebets und des Glaubens. So gefährlich die Wüste auch sein mag, gegen den Panzer des Glaubens kommt sie nicht an. Er wandert also tapfer durch die Wüste als eine hungrige Löwenfamilie brüllend auf ihn zuspringt. Der fromme Mann kniet nieder, schließt die Augen und betet: „Lieber Gott, laß diese Löwen friedlich und fromm werden!“ – Stille. Ringsum Stille. Als der die Augen vorsichtig öffnet, knien die Löwen im Sand, die Pranken gefaltet und beten: „Komm, Herr Jesu, sei du unser Gast und segne, was du uns bescheret hast.“ –
Ich hoffe und wünsche, dass Sie auch herzlich lachen konnten, so wie ich als ich diese Geschichte zum ersten Mal hörte. Herrlich! So ist das mit dem Gebet und der Gebetserhörung. Gott erhört sein Gebet, aber anders als er erwartet. Und sein Glaube ist kein Schutz vor irgendetwas. Hat sein Glaube versagt? Manche fragen sich das heutzutage. Oder eher andersherum: wer richtig glaubt, dem widerfährt auch nichts Böses. Ich höre von Abendmahlfeiern, bei denen die Menschen erst recht aus einem Kelch trinken. Weil das Abendmahl eine himmlische Sache ist, also kann man sich dort auch nicht anstecken. Und wer sich ansteckt, hat eben nicht richtig geglaubt. Oje. Wieviele Menschen schließt so ein buchstäblicher Glaube aus. Nicht richtig, nicht genug geglaubt! Wie furchtbar. Und wie unchristlich!
Irgendwann werden auch die Kirchen wieder geöffnet sein. Ja, noch sind sie zu, aber sie sind deswegen zu keiner Zeit geschlossen. Für niemanden. Und auch wenn noch lange keine Gruppen in den Gemeindehäusern stattfinden werden, ist die Gemeinde und die Gemeinschaft in ihr nicht aufgekündigt und abgesagt. Glaube ist kein Schutzpanzer. Wir werden einen Mundschutz tragen. Gerade auch als christlich Glaubende werden wir uns an die Infektionsregeln halten und uns genau so solidarisch machen mit den vielen anderen Menschen. Wir achten einander indem wir das tun. Und wir achten dabei auch Gott, der uns Herz und Sinn bewahren möge, damit nicht alles Leben feindlich wird.
Gott bewahre!

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
Freitag 24. April 2020

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