Ein kleines Licht am 23. April

“Nur mal gucken!”

Die Geschäfte haben wieder auf. Ein Kamerateam von den Tagesthemen interviewt die Kundinnen und Kunden in den Geschäften.

Jetzt fragen sie eine Frau in den sechzigern in einem Klamottengeschäft: „Was wollen Sie denn kaufen?“ „Och, ich möchte gar nichts kaufen“, sagt die Frau freudestrahlend in die Kamera – eine Maske trägt sie auch nicht. „Ich möchte nur mal gucken. Das ist doch so schön, dass man endlich mal wieder bummeln gehen kann!“

Ich beiße fast in die Tischkante!

Es gibt sicher Gründe, warum es gut ist, dass die Läden jetzt wieder geöffnet haben. Zum einen gibt es Dinge, die wir brauchen und die wir uns jetzt wieder kaufen müssen. Vielleicht sind die Hosen ja zu eng geworden in den letzten Wochen. Immerhin verbrauchen wir dank der Stubenhockerei weniger Kalorien pro Tag. Ich esse aber schon mal mindestens so weiter wie bisher.

Zum anderen müssen die Besitzerinnen und Besitzer der Läden endlich wieder was verkaufen, damit sie ein Einkommen haben und damit sie ihre Angestellten bezahlen können. Das ist wichtig. Das ist zumindest auch wichtig. Wir können es uns nicht erlauben, dass hunderttausende Geschäfte, Gaststätten und Unternehmen pleite gehen und nicht mehr da sind, wenn die Corona-Epidemie vorbei ist.

Aber trotzdem läuft die Krankheit ja weiter. Es gibt bislang kein einziges Medikament, das gegen den Corona-Virus hilft. Es gibt lange noch keine Impfung gegen diese Seuche. Und daran sterben Menschen jeden Tag.

Zur Zeit sieht es in Deutschland gut aus: Auf den Intensivstationen muss kein Patient abgewiesen werden. Jeden Tag werden mehr Menschen wieder gesund von der Krankheit, als sich neu anstecken. Wenn das so weiter liefe, wären bald nur noch wenige Menschen da, die andere anstecken können. Vielleicht könnte man sogar bald wieder gezielt rausfinden, wie die Infektionsketten laufen und sie ein- für allemal unterbrechen. Wenn wir denn vernünftig blieben…

Dass wir in Deutschland mit der Krankheit vergleichsweise gut dastehen, das hat nämlich Gründe: Wir haben auf Hygiene geachtet. Wir haben den Abstand zueinander eingehalten. Wir sind zu Hause geblieben, außer wenn es unbedingt sein musste. Das alles hat es dem Virus so schwer gemacht, dass wir bei aller Vorsicht jetzt ein paar Freiheiten zurückbekommen können: Die Kinder dürfen bald langsam wieder in die Schule gehen. Lange noch nicht so normal wie früher, aber immerhin. Wir können uns Hosen kaufen, die trotz der Corona-Pfunde passen. Wir können den Geschäftsleuten das wirtschaftliche Überleben sichern.

Doch alles das gibt es nicht umsonst: Wenn die Menschen wieder mehr unterwegs sind, dann kann sich die Krankheit wieder besser verbreiten. Und das kann unwahrscheinlich schnell gehen (guck mal hier). Wenn sich die Krankheit aber weiter ausbreitet, dann wird das Menschen das Leben kosten.

Deswegen gibt es auch nach wie vor Dinge, die nicht gehen: Die Kirchen sind noch zu. Wir wollen nicht, dass sich da jemand ansteckt. Feiern, Feste und Großveranstaltungen sind abgesagt, weil es einfach nicht geht. Und so weiter und so weiter…

Deswegen aber ist es auch ziemlich rücksichtslos, wenn eine Kundin zum Spaß durch die Boutiquen läuft, nur weil sie gerade Lust dazu hat. Deswegen ist es absolut blöd, wenn jetzt schon wieder Corona-Partys gefeiert werden und wenn man die Abstände zueinander nicht mehr einhält.

Das ist egoistisch und für die Schwachen und die ohnehin schon Kranken ist es gefährlich. Und es ist gemein all denen gegenüber, die sich ja weiterhin an die Regeln halten, damit sich die Krankheit nicht so schnell ausbreitet. Denn die hätten auch gern, dass wir die Seuche in den Griff kriegen, im Griff behalten und besiegen können. Und dann könnten alle viel schneller wieder bummeln gehen oder in den Urlaub fahren oder ein Fest feiern. Denke doch nicht nur an dich selbst, sondern auch an alle anderen.

Oder „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Das siebenunddreißigste kleine Licht.

Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

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3 Antworten zu Ein kleines Licht am 23. April

  1. Jörg Prahler sagt:

    Was ist eure Meinung dazu? Genau! Vollkommen überzogen! War selbst schon mal gucken…

  2. fh sagt:

    “Eine Maske trägt sie auch nicht!” – als Mittvierziger, dem selbst die Rettungssanitäter den Infarkt zuerst nicht glauben wollten und der auch ab Montag deswegen zum Glück nicht verpflichtet sein wird, eine Maske zu tragen, “freue” ich mich schon auf Vorverurteilungen der obigen Art, wenn ich dann ohne Maske einkaufen gehe. Vielleicht sollte ich mir ein Schuld um den Hals hängen (oder bequemer einen auffälligen Aufnäher auf der Jacke?), damit alle Menschen im Laden Bescheid wissen und ich mich nicht bei jedem Kunden einzeln erklären muss – und Sie sich Ihre Zähne nicht mit der Tischkante ruinieren.

  3. Jörg Prahler sagt:

    Entschuldigung.
    Es ging mir nicht darum, Menschen zu diskriminieren oder vorverurteilen, die keinen Mund-Nase-Schutz tragen können. Es ging mir noch nicht mal darum, ob jemand eine Maske trägt, der das könnte. War ja noch keine Pflicht.
    Ich habe das in der Andacht angesprochen, weil man so bei der Dame im Fernsehbericht die Mimik sehen konnte. Und die war hellauf begeistert, weil sie jetzt in die Läden laufen konnte, obwohl sie nicht mal vorhatte, was zu kaufen.
    Ein leichtsinniger Gebrauch von Freiheiten, der im dümmsten Fall dazu führen kann, dass alle nicht mehr einkaufen gehen können. Auch wenn sie wirklich etwas brauchen und kaufen wollen.
    Das hat mich geärgert.

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