Kleine Predigt für den ersten Sonntag nach Ostern

Den großen Zusammenhang sehen

Liebe Gemeinde,

heute ist ein trauriger Tag. Eigentlich würden wir heute in Langendorf den Vorstellungsgottesdienst feiern. Wochenlang haben die Hauptkonfis an dem Thema rumüberlegt. Wieso landen in Deutschland Kinder und Jugendliche auf der Straße. Und wie kommen sie aus der Obdachlosigkeit zurück in ein geregeltes Leben.

Ein kleines Theaterstück war so gut wie fertig. Wir wollten gerade mit den Proben beginnen – da kam Corona und der Konfer war erst mal zu Ende. Noch ein Elternabend. Jetzt sind der Vorstellungsgottesdienst und alle Konfirmationen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Das macht mich echt traurig. So nervig die Vorbereitungen auch manchmal sind, der Vorstellungsgottesdienst ist für mich ein Highlight jedes Jahr. Dieser tolle und aufwändige Gottesdienst, die stolzen Konfis, die noch stolzeren Eltern. Und danach grillen wir und sitzen noch ein paar Stunden zusammen.

Aber das alles wird heute nicht passieren. Genau so wenig wie die Konfirmationen im Mai. Alles so schön geplant und vorgestellt. Alles erst mal gestrichen. Wie traurig!

Aber manches sieht ja ganz anders aus, wenn ich es mir im großen Zusammenhang angucke. Denn so macht das auch der Predigttext von diesem Sonntag:

Der Prophet Jesaja sagt: „ Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ Jesaja 40

Dem Volk Israel, der Nachfahren Jakobs geht es schlecht. Sie leben in der Verbannung und sie glauben, Gott hätte sie vergessen. Aber Jesaja lenkt den Blick in den Himmel auf die Millionen und Abermillionen von Sternen. Alle ziehen ihre perfekte Bahn. Das alles hat Gott im Griff. Das wird er auch sein geliebtes Volk Israel nicht aus den Augen verlieren. Auch wenn die zur Zeit in Babylonien in der Gefangenschaft ausharren müssen.

Kein Grund, den Glauben fahren zu lassen. Und mit dem Glauben kommt die Kraft zurück: „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“*

Mal ganz ehrlich: Manchmal, wenn ich traurig bin, reicht mir Nachts schon ein einziger Blick in den Himmel. All die vielen, vielen Sterne. Dieses unendlich große Universum. Sind deine Sorgen im Vergleich dazu wirklich so gewaltig und so unüberwindbar?

Milchstraße und die Raumstation ISS über dem Damnatzer Elbdeich. Foto: Helmut Schnieder

Aber nicht nur die Weite des Himmels hilft mir, wenn meine Sorgen zu groß erscheinen.

Konfirmationen, Taufen, Trauungen werden verschoben, aber alles das können wir ja nachholen. In fünf Jahren sind die Konfis 18, 19 Jahre alt. Die Schule ist vorbei oder in den letzten Zügen. Ausbildung oder Studium sind jetzt dran. Spielt es dann noch eine Rolle, ob die Konfirmation ein paar Monate oder sogar ein Jahr verschoben wurde? Ich wette, ihr werdet euch viel besser an diese Konfirmation erinnern können, als andere Jahrgänge. In zehn Jahren stehen die Täuflinge von heute vor dem Sprung auf die große Schule. Sie werden behütet und gesegnet ihren Weg gemacht haben. Und in zwölfeinhalb Jahren werden die Brautpaare von heute Petersilienhochzeit feiern. Die Kinder , wenigstens die großen gehen selbst schon in den Konfer. Ihr werdet euch erinnern an diese erste Krise, die ihr gemeistert habt. An das tolle Fest und die wunderschöne Trauung, die dann danach kam.

Und ihr werdet euch daran erinnern, dass immer mal Schwierigkeiten kommen im Leben und Probleme. Aber wenn du auf Gott vertraust und wenn wir zusammenhalten, dann werden wir diese Probleme auch überwinden. Gott gibt uns Kräfte, von denen wir noch gar nichts ahnen. Und mein Glaube, nicht die Zuckerbrause, gibt mir Flügel. So war es schon immer. Und so wird es auch bleiben.

Foto: sabrina gonstalla / pixelio.de

Amen.

Und ich habe im Internet noch ein passendes Lied gefunden, das diesen Gottesdienst noch ein bisschen abrunden kann. Wer das Jüngere Liederbuch zur Hand hat, der kann die Seite 156 aufschlagen und mitsingen.

* Eigentlich auch ein cooler Konfirmationsspruch.

Sonntags und an Feiertagen finden Sie einen anderen Gebetsablauf und eine kurze Predigt auf dieser Seite und auf den Seiten der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können mit Hilfe dieses Ablauf allein oder mit der Familie einen Gottesdienst feiern. Für all das läuten als Startsignal von 10 bis 10.15 Uhr die Glocken in allen drei Kirchen.

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