18. April 2020 – Bei sich sein

Gedanken zum Tag

Eine Frau erzählt, wie es ihr geht mit „diesem Zustand“. Und was sie macht, um sich nicht völlig an die Ängste und an die Sondersendungen mit ihren Informationen zu verlieren, auszuliefern. Sie schaltet den Fernseher auch mal aus. Sie sagt: Bei sich bleiben und kucken, was da ist. Was habe ich heute erlebt, welcher Gedanke ist mir in den Sinn gekommen, worüber habe mich gefreut, was hat mir gut geschmeckt, wer hat heute an mich gedacht, was hat mich geärgert, habe ich etwas geschafft, hat sich was von allein erledigt, habe ich heute schon mal gelacht …. Bei sich sein und kucken was da ist. Und das ist ganz viel. Ganz handfest auch. Und es wiegt viel. Was die anderen machen und wie sie mit ihren Ängsten und Unsicherheiten umgehen, was die anderen auch auf diese Fragen antworten würden, ist egal. Meine Antworten sind meine Antworten. Und es ist mein Leben. Und ich lebe. Das hat Gewicht! Bei sich sein, um sich nicht völlig auszuliefern, preiszugeben. Etwas neben die Ängste stellen. Ja, der Virus ist auch bei uns. Ja, man kann sich anstecken. Ja, es gibt noch keinen Impfstoff. Ja, man sollte Abstand halten. Ja, es ist in den Köpfen der Menschen angekommen, aber es soll nicht auch noch das Herz besetzen. Ja. Mir könnte auch ein Dachziegel auf den Kopf fallen. Aber so denke ich nicht. Man könnte nicht leben, wenn man sich vor solchen Unwägbarkeiten schützen wollte. Man dürfte nie im Leben aus dem Haus gehen. Wobei: die meisten Unfälle passieren im Haushalt, sagt man. Es könnte mir ein Dachziegel auf den Kopf fallen. Aber das tut er nicht. Ja. Es ist eine Möglichkeit. Aber es ist keine Notwendigkeit. Der Dachziegel könnte genauso gut auch daneben fallen. Oder eben gar nicht. Wie oft fällt er nicht!
Unwägbarkeiten. Ist so. Mehr nicht.
„Geh aus mein Herz und suche Freud“, dieses Lied singen die meisten gern und es kennen auch viele. Paul Gerhardt, du kluger und weiser Dichter! Die Freude muss man suchen. Das Haar in der Suppe findet jeder. Was zu kritisieren oder nörgeln gibt es immer. Aber die Freude muss man suchen und dann findet man sie auch. Versprochen.
Die Seele nährt sich von dem, was sie freut. Das ist noch älter als Paul Gerhardt. Aber es stimmt.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
Samstag 18. April 2020

Dieser Beitrag wurde unter Corona, St.-Johannis-Kirche Dannenberg, Texte abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.