16. April 2020 – Demut

Gedanken zum Tag

„Wissen Sie, was ich in dieser Zeit ganz oft denken muss? Wie klein doch der Mensch ist. Da fegt so ein Virus über die Menschheit hin. Und wir können nicht wirklich etwas dagegen tun. So ist die Natur. Und ein Mensch so klein und unwichtig wie ein Staubkorn.“ Wie ein Gras, das verdorrt und wenn der Wind darüber geht, so ist es nicht mehr da, fällt mir ganz biblisch ein, sage ich aber dem alten Herrn nicht. „Und wissen Sie, in der ganzen Welt ist dieses Virus. Und wehe, wenn es erst nach Afrika kommt, die haben ja gar keine richtigen Krankenhäuser! Und die Menschen in den Slums. Und die Menschen in den Lagern! Ich mag gar nicht daran denken, wie gut wir es hier noch haben.“ Ogottogottogott – sagt er zwischendurch und betet ohne, dass es ihm bewusst ist. „Und wissen Sie, wir hängen doch alle miteinander zusammen, weltweit, ob in China oder in Brasilien, in Deutschland oder in Italien. Da gehört doch die ganze Welt zusammen und die Menschheit ist doch zusammen herausgefordert, diesen Virus zu bewältigen. Wann fangen die Menschen endlich an, zu kapieren, wie dämlich Kriege sind und dass es wichtigeres gibt als nationale Interessen.“ Ja, sage ich. Ein Haufen von Egoisten macht eben noch keine Gemeinschaft! Und dann fällt ein Wort, das ich in diesen Zeiten noch nicht gehört habe: Demut. Der alte Herr sagt: „Ich glaube, wir Menschen sollten uns darin üben – in Demut einüben“. Damit wir wieder ein menschliches Maß gewinnen. Damit die Erde bewohnbar bleibt und die Menschen mitmenschlich bleiben. Ein Gebet, das älter ist als der alte Herr: Was ist der Mensch, Gott, dass du seiner gedenkst? Was ist der Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Ein Staubkorn bloß für die Natur. Ein geliebtes Wesen, in dem sich Gott verwirklicht, unverwechselbar, unverlierbar. Wenn das stimmt, dann sind wir nicht der Natur ausgeliefert. Dann beseelt uns die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Mitmenschlichkeit. Dann ehrt es uns und macht unsere Größe aus, mit dem Herzen zu begreifen, dass eine Kette so stark ist, wie ihr schwächstes Glied. Ich finde diesen Gedanken von dem alten Herrn ziemlich gut: In Demut einüben. Und das ist gewiss nichts für Feiglinge.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
Donnerstag 16. April 2020

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