Ein kleines Licht am 14. April

Ostern fällt nicht aus!

Aber es ist ganz anders…

Dienstag nach Ostern, die Feiertage liegen hinter uns. Und es war ganz komisch. Normalerweise bin ich am Morgen vom Ostersonntag immer in der Kirche. Diesmal war kein Gottesdienst. Normalerweise kommen meine Schwiegereltern auch mit zur Kirche und dann wird lange gefrühstückt. Dies Jahr sind die beiden zu Hause geblieben. Genau wie meine Eltern, die sonst immer zum Kaffee dazu stoßen. Auf‘s Osterfeuer habe ich mich gefreut. Manch eine aus der Familie freute sich noch mehr auf die Osterfeuerwache. Und am Montag hätte ich mir die Mandolinen und die Ostergeschichten angehört. Alles dies Jahr nicht nicht gewesen.

Und das ist auch traurig und das ist auch blöd!

Aber trotzdem ist Ostern ja nicht ausgefallen. Enke Lehmann schickte mir ein Foto von der neuen Langendorfer Osterkerze. Und siehe da, sie brannte. Sonst zünde ich die Osterkerzen oft an. Dies Jahr geschieht das auch ohne mich. Ganz ohne mein Zutun. Und es passiert doch. Das freut mich sehr.

Die neue Osterkerze in der Langendorfer Kirche. Foto: Enke Lehmann

Und am Ostersonntag um 10.15 Uhr steht ein gutes Drittel vom Posaunenchor an der Quickborner Kirche. Wie in Damnatz und wie in Langendorf zur gleichen Zeit auch. Sie spielen Choräle. Fast 20 Leute aus der Dorfstraße sind zusammengekommen. Noch mehr hören vom Fenster aus zu.

Willst du noch was sagen?“ … also eine kleine Andacht, ein paar aufmunternde Worte, irgend etwas Österliches vielleicht. Ich sage nur „Frohe Ostern“ und „Ich habe Apfelsaft und Eierlikör dabei“.

Trotzdem ist das ein feierlicher und schöner Moment. Gerade ohne viele Worte. Endlich wieder ein paar andere Gesichter sehen. Endlich mal wieder von Angesicht zu Angesicht sprechen. Wenn auch über einen Abstand von zwei Metern. Immerhin: Wir sind aus unseren Höhlen gekrochen.

Aus Damnatz kommt die Botschaft: „Das Banner hängt an der Kirche!“ Ein Banner für jeden Kirchturm. Die Kirchen schweigen nicht. Die Kirchen sprechen von Hoffnung in großen Buchstaben. Und ich habe den Eindruck, die Menschen hören hin.

Ostermontag. Ich bekomme eine E-Mail von den Pfadfindern aus Hamburg. Sie machen ihren Ostermontagsgottesdienst im Internet als Livestream. Ich sitze am Computer und bin live dabei. Ungekämmt, in Jogginghose, aber immerhin. Über 30, manchmal 40 andere auch. Die wahrscheinlich in Pfadfinderkluft.

Ostern normal geht gerade nicht. Kirche normal geht gerade nicht. Aber dafür Predigten im Schaukasten, Predigten per Telefon, Andachten im Internet, kleine Lichter zu Bildern, Liedern, Musikvideos. Gottesdienste aus leeren Kirchen, aber für möglicherweise ganz viele an den Bildschirmen.

Es geht so viel Besonderes. Sachen, die wir vorher noch nie ausprobiert haben. Gut, wer jetzt ohne Computer oder ohne Smartphone ist, der braucht jetzt vielleicht Hilfe, nette Nachbarn oder noch nettere Enkelkinder. Der braucht jetzt wochenweise Briefe mit allem, was sich ausdrucken lässt.

Oder doch noch schnell selbst einen alten Computer: „Drück da, drück da, drück da – tada!“ Ist schließlich alles kein Hexenwerk. Und eigentlich ist es kinderleicht. Oder sogar omaleicht. Man muss sich nur trauen.

Denn wenn ich mich mal umgucke, dann ist Ostern überall. Nur anders. Denn Ostern ist das Fest des Leben. Auch des Überlebens und des wieder Auflebens. Die Menschen haben in weitaus schlimmeren Zeiten schon Ostern gefeiert: Im Krieg, bei Hunger, während Seuchen und der Pest. Ohne Telefon und Internet, ohne Krankenversicherung und Intensivstation.

Ostern ist das Fest mit der wichtigsten Botschaft, die es für diese Zeit überhaupt gibt: Wie dicke es auch immer kommt – das Leben siegt. So will es Gott. So hat Jesus es uns vorgemacht.

Christus ist auferstanden!“, „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Das achtundzwanzigste kleine Licht.

Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

Meine Oma hat aber gar kein Internet”? Aber du! Es ist ausdrücklich erlaubt, diese Beiträge auszudrucken, zu verschicken, zu teilen oder zu verlinken. Gebt sie gerne an alle weiter, die sich darüber freuen und vor allem an die, die sonst keine Zugang dazu hätten.

Rückmeldungen, Fragen oder Anregungen gerne an joergprahler@gmx.de.

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