12. April 2020 – Berühr mich

Gedanken zum Tag

Aber fasse mich nicht an. Die Begegnungen mit anderen Menschen erscheinen mir wie durch eine Glasscheibe. Nicht direkt, mit Abstand, mit einem Vorbehalt an Sicherheitsauflagen. Zu nah kommen und anfassen ist abgesagt. Aber Berühren nicht. Sich berühren lassen. Eine erzählt am Telefon von ihren Nachbarn. Er ist krank. Sie kommt halbwegs zurecht. Die beiden sind alt und einsam. Das berührt deren Nachbarin sehr. Sie fragt mich: Wissen Sie nicht jemanden, der draußen im Garten ein bisschen musizieren könnte? Eine Freude machen könnte? Vielen geht es so, die sich vom Schicksal anderer Menschen berühren lassen, von Menschen, die diese Zeit beruflich oder privat in die Knie zwingt. Man möchte helfen, wie gern, aber wie? Kleine Zeichen und Gesten sind es, die sagen: ich sehe dich, ich verstehe, dass du es schwer hast. Das Trinkgeld fällt ein wenig höher aus. Ich wende mich nicht an Amazon, sondern kaufe hier vor Ort ein. Auch wenn wir uns für die Lieferung verabreden müssen. Berühr mich. Aber fasse mich nicht an.
Das ist wie ein Zitat aus der Geschichte von Ostern. Der Auferstandene sagt es zu Maria Magdalena. Sie ist die erste Zeugin der Auferstehung. Nicht die Jünger. Sie will ihn umarmen, ihn festhalten, den, der ihren Namen sagt. Daran erkennt sie ihn: Der, der ihren Namen kennt. Sie will ihn haben, liebhaben, berühren. Da fallen diese Worte aus dem Mund von Jesus: Rühr mich nicht an. Aber gehe hin und sage es meinen Jüngern, was du gehört und gesehen hast.
Ostergottesdienste: Der Herr ist auferstanden. Sagt einer. Er ist wahrhaftig auferstanden. Antwortet die Gemeinde. Und indem sie antwortet, geschieht Auferstehung, geschieht die Freude an Ostern.
Wir wissen nicht, wie Gott das gemacht hat mit der Auferweckung Jesu. Es wäre uns auch viel zu groß, um zu begreifen. Was wir aber wissen ist, was die Auferstehung mit den Frauen und Männern gemacht hat. Erst war ihr Erschrecken groß. Aber dann kommt sie wieder, die Liebe. Erst leise und dann mit lautem Jubel. Und je größer die Freude wird, desto stärker wird die Liebe, stärker als zuvor. Unterschätzt die Liebe nicht. Heute auch nicht. Was die Liebe alles schafft! Auch wenn es überall heißt: Berühr mich, aber fasse mich nicht an.
Lasst euch berühren. Denn die Freude vertreibt die Furcht und bestärkt, macht das Herz fest und die Zuversicht stark.

Frohe Ostern!

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
Sonntag 12. April 2020 Ostersonntag

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