11. April 2020 – Stille Nacht

Gedanken zum Tag

anders als zu Weihnachten: Stille Nacht … Christ der Retter ist da. Ein Wiegenlied für das Christuskind. Osternacht, Karsamstag ist anders – eine Unterbrechung. Das Leben ist wie abgebrochen, weggebrochen, unterbrochen, wir erleben es gerade in diesen Zeiten der Krise. Karsamstag: Seine Stille ist eher eine Grabesruhe. Die Seele ist leer, müde zu Tode. Was soll man da noch sagen, dann wenn nichts wieder gut wird? Was soll man sagen? Kopf hoch, es wird schon wieder. Wer weiß wozu es gut ist. Wer weiß, was ihm oder ihr erspart geblieben ist. Erlösung, das Leid ist ausgelitten, der Schmerz ist ausgeweint. Ob das trösten kann, dann wenn nichts wieder gut wird? Unterbrechung des Normalen. Stille Nacht im Herzen eines Menschen und der bange Zweifel, ob nicht Gott doch auch mal wegschaut, ob Gott einen nicht doch verlassen hat. Es ist so wenig zu sehen von ihm. Stille Nacht, das ist die Erfahrung, dass am Ende doch jeder „auf sich selbst geworfen ist“. Im eigenen Leben und im eigenen Tod sind wir unvertretbar. Und diesen Weg kann nur jeder für sich allein gehen. Auf sich selbst geworfen. Mit sich selbst allein. Manche sagen in diesen Tagen: wie gut, dass wir zu zweit sind, da läßt sich die Ferne zu den anderen eher aushalten. Da ist noch ein anderer Gedanke als nur der meine. Da ist noch ein Gespräch möglich, das nicht bloß Selbstgespräch ist.
Stille Nacht, Karsamstag, Unterbrechung. Ist das Leben verloren, wenn es zu Ende ist?
Hinabgestiegen in das Reich des Todes, so sagen wir es im Glaubensbekenntnis. Im aufgerissenen Todesrachen wird Jesus auf alten Bildern der Kirche dargestellt. Der Todesrachen ist weit aufgerissen, gefährlich die Zähne. Wir sehen den Herrn der Welt, wie er die Hand der anderen ergreift, die auch im Todesrachen gefangen sind. Es sieht aus, als wollte er sie herausziehen aus dem Tod. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Heilsame Unterbrechung, denn er bringt das Licht der Liebe Gottes auch dorthin bis in das Dunkel des Todes. Die da sitzen im Schatten des Todes sollen nicht verlorene Menschen sein. Stille Nacht …. Christ der Retter ist da. Hinabgestiegen in das Reich des Todes hat er die Tiefe des Todes ausgemessen. Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand. Das bringt er dort zum Licht.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
Samstag 11. April 2020 Karsamstag

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