Ein kleines Licht am 10. April

Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe

Altarbild in der ev.-luth. Friedenskirche in Unterlüß; zugeklappt „Guter Hirte“.

Künstler: Werner Petzold. Foto: Kirchengemeinde Unterlüß.

Jesus mit Heiligenschein und mit einem Lamm auf dem Arm. Im Hintergrund ein Tisch mit Kelch und Brot und Kerze. Links die Ehebrecherin und der Mob, der sie tot sehen will. Rechts ein gebrechlicher, alter Mann, dem ein Glas mit Wasser gereicht wird. Unten Adam und Eva, die das Paradies verlassen müssen. Oben ein Himmel, eine Sonne.

Dazu aber ein Lichtstrahl, der nicht von der Sonne, sondern anderswo herkommt. Ein Lichtstrahl, der durch Jesus hindurch bis zum Anbeginn der Zeiten hinleuchtet. Bis ins Paradies, wo alles begann.

Das Ganze in grellen Farben. Mit Zacken und mit Spitzen. Kein sonderlich friedvolles Gemälde. Eher im Gegenteil.

Nur Jesus mitten im Bild strahlt Ruhe und Frieden aus. Seine Kleidung fällt mir auf. Eine normale Hose. Ein normales Hemd oder eine dünne Jacke. Jesus sieht ganz normal aus. Weder wie ein Schäfer noch wie ein Messias aus dem Orient. Eher wie einer von uns. Bloß mit Heiligenschein.

Und so steht er da mit dem Schaf auf dem Arm zwischen Sünde, Leid und Schuld.

Heute ist Karfreitag. Und für mich ist diese, geschlossene Ansicht des Altars in der Unterlüßer Friedenskirche genau so ein Karfreitagsbild wie die geöffnete Ansicht mit dem Kreuz, die heute Morgen zu sehen war.

Jesus Christus ist für uns gestorben. Er hat sich für unsere Sünden zum Opfer hingegeben“. Beides sind Sätze, wie sie die ersten Christen geglaubt und in die Evangelien und in die Briefe geschrieben haben. Es sind Sätze, wie sie bis heute in der christlichen Dogmatik verwendet werden.

Ich kann das aber nur glauben und verstehen, wenn ich dabei an Jesus, den guten Hirten denke. Denn ich kann nicht glauben, dass Gott den Tod von Jesus fordert, um Sünden zu vergeben. Ich kann nicht glauben, das einer sterben muss, damit Gott gütig sein kann.

Mag sein, dass Menschen im ersten Jahrhundert das so geglaubt haben. Da war es selbstverständlich, dass Götter Opfer forderten. Da glaubte man an die rettende Kraft des Blutes vom Passahlamm und dass ein Schafsbock einem Volk die Sünden abnehmen kann.

Ich glaube nicht, dass Gott all das braucht, um uns zu lieben, zu retten, zu verschonen oder uns von unseren Sünden freizusprechen.

Aber warum musste Jesus dann am Kreuz sterben? Warum ist der Sohn Gottes, der die Macht des Himmels im Rücken hatte, einen elenden Tod gestorben?

Das geschah nicht für Gott, sondern das geschah für uns Menschen. Es ist der Beweis, das Gott alles für uns geben will. Dass er alles mit uns ertragen will. Dass seine Liebe keine Grenzen hat.

Ich kehre zurück zu dem Bild. Jesus ist der gute Hirte. Inmitten einer Welt voll von Sünde, Streit und Leid. Mit der Geburt von Jesus ist Gott in diese Welt gekommen. Er hat sich auf unser Leben, unser Leiden, unser Hoffen und Bangen eingelassen. Gott hat das getan um zu zeigen, wie groß seine Liebe zu uns ist.

Jesus hat unendlich viel Gutes getan. Er hat Kranken in ihrem Leid beigestanden. Er hat sich auf die Seite von Sünderinnen und Sündern gestellt und ihnen die Chance zu einem neuen Leben gegeben. Er hat das verlorene Schaf gesucht und heile wieder nach Hause gebracht. Es hat alles getan, um alles wieder gut zu machen, was wir Menschen nicht hinbekommen.

Aber hat er wirklich alles getan oder nur ziemlich viel?

Es gibt nämlich noch eine Sorte Opfer, deren Sinn ich heute noch einsehe. Und das erkläre ich so: Stellen Sie sich vor, ihr Haus brennt. Oben am Fenster steht noch ihr Kind. Sie stehen davor und können da nicht mehr rein. Aber neben ihnen ist ein Feuerwehrmann. Was kann der Ihnen jetzt sagen?

Das Feuer ist zu groß. Kein Mensch kann da mehr reingehen. Ich kann nichts mehr für ihr Kind tun“. Selbst wenn der Feuerwehrmann recht hätte und selbst wenn ich weiß, dass ich das nicht von ihm verlangen kann – irgendwas würde hängen bleiben. Irgendein Rest von einem Gedanken, dass er doch nicht alles versucht habe. Wenn ich glauben soll, dass er alles geben will, dann muss er auch alles geben. Dann muss er rein in das Haus und sein Leben einsetzen.

Ich weiß, dass ich das von einem echten Feuerwehrmann nicht erwarten darf und nicht erwarten kann. Er ist ein Mensch wie ich und muss auch an sich selber denken. Und an seine eigenen Kinder.

Aber wenn Gott alles verspricht, dann muss er auch alles geben. Wenn Gott will, dass ich ohne jeden Zweifel an seine Liebe glaube, dann darf die Liebe auch keinen Rückzieher machen. Auch dann nicht, wenn Menschen aus Hass, Dummheit oder Trägheit diese Liebe wegwerfen. Wenn seine Liebe Jesus an das Kreuz führt, dann muss er auch an Kreuz gehen. Dann darf er nicht im letzten Augenblick einen Rückzieher machen und die Engel zur Hilfe rufen.

Und so hat Gott bewiesen: Er ist zu allem bereit, um bei uns zu sein. Seine Liebe kennt kein Ende. Selbst der Hass der Menschen kann sie nicht zerstören. Jesus ist der gute Hirte, der alles in die Waagschale wirft. Der sich selbst in die tiefste Tiefe der menschlichen Existenz stellt. Damit er auch da dicht bei mir sein kann. Gottes Liebe hört nicht auf. Das hat er gezeigt. Das hat er bewiesen.

Und deshalb gibt es nichts, was mich von ihm trennen kann. Auch nichts, was ich auf mich geladen haben könnte. Insofern ist Jesus nicht für Gott gestorben. Da gab es auch keinen Grund für. Aber er ist gestorben, damit er in meinen dunkelsten Momenten nicht irgendwo über mir ist, sondern dicht an meiner Seite. Keine Zeit, kein Ort, kein Unglück, keine Seelennot, wo er nicht da ist.

Amen.

Das vierundzwanzigste kleine Licht.

Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

Unter diesem Link können Sie mehr über das Unterlüßer Altarbild und über seinen Maler Werner Petzold erfahren. Sie finden da auch ein Bild mit dem aufgeklappten Altar, wo Jesus am Kreuz zu sehen ist.

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

Meine Oma hat aber gar kein Internet”? Aber du! Es ist ausdrücklich erlaubt, diese Beiträge auszudrucken, zu verschicken, zu teilen oder zu verlinken. Gebt sie gerne an alle weiter, die sich darüber freuen und vor allem an die, die sonst keine Zugang dazu hätten.

Rückmeldungen, Fragen oder Anregungen gerne an joergprahler@gmx.de.

Dieser Beitrag wurde unter Corona, DaLaQui, Damnatz, Langendorf, Quickborn, Texte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.