10. April 2020 – Kreuz mit Corpus

Gedanken zum Tag

Manchmal hängt noch einer daran. Oft schon nicht mehr. Ein schlichtes Holzkreuz, ein Holz längs, ein Holz quer. Vielleicht deutet ein kostbarer Bergkristall den Körper an, von dem, der daran hängt. Es gab mal eine große Debatte in einer Kirchengemeinde um das Kreuz – mit Körper oder ohne. „Das sieht ja aus wie ein Gehenkter. So ein Kreuz wollen wir nicht!“ sagten die meisten.
In der Kirche hier ist der Altaraufbau eine einzige Passionsgeschichte. In der Mitte eine Christusgestalt mit Dornenkrone. Blut fließt über den ganzen Körper. Nicht schön. Eher abstoßend. Eine hässliche Gestalt. Angebunden, festgenagelt. „Ach Herrje. Da hängst du also, du Herr der Welt und kommst nicht los. Bist genauso ohnmächtig und hilflos wie wir. Kannst nichts machen. Kannst dich nicht retten, geschweige denn uns. Kannst dir nichts abnehmen und uns auch nicht. Bist ein schwacher Herr, du Herr der Welt.“
Vielleicht verstehen ihn die Armen leichter, die, die keiner bei sich haben will. Vielleicht verstehen ihn Menschen leichter, die Opfer geworden sind. Selbst das Verbrechen hat keine Ehre mehr, wo man noch mit Corona ein gutes Geschäft machen will. Die Hilflosen, die verstehen ihn besser, die Traurigen, die Erschrockenen. Die Armen eben. „Er ist einer von uns. Er ist wie wir. Er versteht was vom Leiden der Welt. Er versteht uns. Es gibt ein Leid, das ist Unrecht. Das ist Sünde. Bist ein schwacher Herr, ach Herrje.“ Ob das deine Stärke ist, mir gleich, mir nahe zu sein auch im Äußersten?
Ob das deine Stärke ist, auch den Verbrecher noch mitzunehmen in dein Reich. Was hat dich dazu bewogen, dass du dich an unsere Seite stellst und da bleibst? Da wird eine andere Kraft lebendig. Die Kraft der Güte und des Erbarmens. Die Stärke der Liebe – mächtiger als Schuld, Sünde und Tod. Du hältst sie durch. Ach Herrje. Ich brauche deine Gestalt, nicht bloß ein Kreuz. Damit es zu mir spricht.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
Freitag 10. April 2020 Karfreitag

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