09. April 2020 – Einma(h)lig – Gründonnerstag

Gedanken zum Tag

Da Vinci und seine wohl berühmteste und größte Wandmalerei in Mailand: das letzte Abendmahl. Jesus in der Mitte, die Jünger links und rechts, Judas noch eingereiht in die Jüngerschar. Ein langer Tisch, sozusagen quer gestellt, damit man alle sehen kann. Ein grauer Raum, der in den Hintergrund rutscht, 3 kleine Fenster geben den Blick auf eine blühende Landschaft frei. Das letzte Mahl am Abend bevor die Geschichte seinen Lauf nimmt. Noch einmal versammeln. Ein Bild, das in diesen Tagen fast ein Hit auf youtube ist. Verfremdet, gestaltet. Mal sitzt nur Jesus allein am Tisch. Der Herr ohne die Gemeinschaft mit den Menschen. Mal sitzt niemand am Tisch – cancelled, gestrichen, Abendmahl fällt aus. Mal sitzt Jesus am Tisch und die Jünger schauen von einer Empore durch Fenster herunter. Wie Zuschauer. Gemeinschaft ist abgesagt. Kann der Herr allein mit sich Abendmahl feiern? „Friede sei mit dir“ zu sich selber sagen? Kann er nicht. Fällt die Hoffnung des Abendmahls aus, nur deshalb, weil es nicht stattfindet?
Das letzte Mahl am Abend wird zum Abendmahl. „Das bin ich“ wird der Herr sagen. Er wird das Brot nehmen und den Kelch. Das bin ich für euch. Ich teil mit euch mein Leben hier und dort. Ich bin da, wo ihr seid. Friede sei mit dir. – Das ist besiegelt. Das kann nicht leer und nichtig werden, nur deshalb weil die Abendmahlsfeiern ausfallen.
Die Kirche, die Pastoren, die Theologen verwalten das Sakrament – das heilige Tun. Aber es gehört ihnen nicht. Es ist sehr evangelisch, dass alle Christen in ihrem Glauben unvertretbar sind, und berufen zu Wort und Sakrament. Ich finde den Gedanken schön, den ich in einem Kloster kennengelernt habe: Wir haben einen Pfirsich geteilt oder ein Stück Kuchen oder eben auch eine Scheibe Brot. Wir haben gegessen und einander gesagt: Friede sei mit dir. Der Friede von Gott segne dich. Ganz ohne Abendmahlsworte, ganz ohne Kirche, und der Herr war mit dabei. Ganz gewiss. Das glaube ich.
Ich werde zur Nachbarin `rübergehen. Vor der Haustür auf Abstand ein Stück Brot mit ihr teilen und ihr sagen: Friede sei mit dir. Und wir werden beide Amen sagen.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
9. April 2020 Gründonnerstag

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