Gründonnerstag 2020

Gründonnerstag 2020

Das letzte Mahl. Heute vor über 2000 Jahren in einem großen Saal, schön ausgelegt. In schöner Atmosphäre. Passend für ein Abschiedsmahl. Aber das wissen die Jüngerinnen und Jünger noch nicht. Nur er, Jesus, machte Andeutungen, ist sich dessen bewusst und als die Stunde da ist, spricht er von seinem Tod, ohne dass sie es verstehen. Woher auch?

Es war Seder-Abend. Damals wie heute auch. Der erste Abend im jüdischen Passahfest, an dem die Familie und Freunde zusammenkommen und beim großen Festmahl das Passahlamm essen. Aber vor dem Lamm gibt es einfache Speisen. Traditionell beginnt der Abend damit, dass der Hausherr das Brot bricht. Besonderes Brot, das es nur zu Passah gibt, das ungesäuerte Matzenbrot, Fladenbrot, dessen Teig maximal in 18 Minuten aus Mehl und Wasser zubereitet werden muss, damit der Teig nicht gärt, nicht säuert. Seit Tagen haben die Frauen vorher das Haus geputzt, alles Gesäuerte muss verkauft oder verschenkt werden. Alles Geschirr und Besteck wird gereinigt, gekaschert, nichts darf unrein bleiben. Viele Familien haben eigenes Services und Bestecke nur für Passah.

Aber warum das alles? An Passah feiern die Jüdinnen und Juden die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Das Lamm erinnert an die 10. Plage gegen den Pharao. Mit dem Blut eines Lammes markierten die Israeliten ihre Türpfosten und der Todesengel ging an ihren Häusern vorüber. Der Pharao lässt sie ziehen. Zum Brotbacken war beim Aufbruch keine Zeit, jedenfalls nicht für das übliche mit Hefe angesetzte und gesäuerte Brot. Deshalb in der Erinnerung nur das einfache Fladenbrot aus Wasser und Mehl. Und dieses Brot wird am 1. Abend vom Hausherrn in Teile gebrochen.

In dieser Tradition des ersten Abends des Passahfestes bricht auch Jesus das Brot. Für uns Christen und Christinnen hat er dabei eine neue Botschaft. Für uns sind Brot und Traubensaft sein Leib und sein Blut, Leib und Blut des Gekreuzigten und Auferstandenen, des Messias, der für uns gestorben ist. Am Gründonnerstag denken wir an dieses Abschiedsmahl Jesu als das erste Abendmahl. Das Sakrament, das uns auf ganz eigene Weise miteinander verbindet.

Dieses Jahr nun können wir das Mahl nicht gemeinsam feiern. Zumindest nicht gemeinsam im gleichen Raum. Dafür haben sich andere Gedanken gemacht, wie es sein kann, am Gründonnerstag dennoch dieses Abschiedsmahl feiern zu können. Verbunden in dem Gedanken, es mit anderen zur selben Zeit, am selben Abend zu tun. Im Michaeliskoster Hildesheim ist daraus eine schöne Vorlage entstanden. (https://www.michaeliskloster.de/aktuelles/2020/03-16-gottesdienst-zeitgleich)

Ich selbst werde beim gemeinsamen Essen an diesem Gründonnerstag mit meiner Familie an dieses letzte Mahl Jesu denken. Werde mich an das beduinische Fladenbrot erinnern, das wir als Familie in unserer Zeit auf dem Sinai so geliebt haben und das mich schon immer an die Israeliten und ihren Exodus damals erinnert. Ich werde daran denken, wie jetzt Jüdinnen und Juden das Passahfest auch hier in Deutschland feiern. Unter ebenso erschwerten Bedingungen wie wir das bevorstehende Osterfest. „Sameah!“, ein trotzdem fröhliches Passahfest für sie und am Wochenende ein fröhliches Osterfest uns.

Bleiben Sie behütet! Ich bleibe zuversichtlich, dass wir bald wieder gemeinsam auch in Lüchow und Plate in unseren Kirchen gemeinsam am Altar Brot und Traubensaft teilen können!

Tina Hülsebus

Über Tina Hülsebus

Schulpastorin an der BBS Lüchow
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