Ein kleines Licht am 7. April

Mehr als Respekt verdienen!

Johannes und Jakobus waren mit die ersten Jünger von Jesus. Fast immer und überall waren sie direkt an seiner Seite. Haben sie dafür nicht eine besondere Belohnung verdient?

Irgendwas in der Art muss den beiden durch den Kopf geschossen sein. Sie nehmen Jesus bei Seite und fragen ihn: „Sag mal, später im Himmel: Dürfen wir da direkt links und rechts von dir sitzen?“

Das war nicht nur eine Frage zur Sitzordnung. Links und rechts von einem König saßen seine wichtigsten Leute. Seine engsten Mitarbeiter. Seine treuesten Untertanen. Links und rechts vom Chef zu sitzen, das waren Ehrenplätze. Ein für alle sichtbares Zeichen, wie wichtig du auch selber bist. Ein Teil von der Macht des Königs strahlt auch auf dich ab.

Johannes und Jakobus sind treue und vorbildliche Jünger gewesen. Jesus konnte auf sie bauen. Sollte Jesus so viel Treue nicht auch belohnen?

Aber die Geschichte geht natürlich noch weiter: Die anderen zehn Jünger bekommen mit, was die beiden von Jesus wollen. Und die werden sauer auf Johannes und Jakobus. Zum Teil, weil die beiden sich über die anderen zehn stellen wollten. Zum Teil wahrscheinlich auch, weil manch einer selbst scharf auf einen der beiden Ehrenplätze gewesen ist.

Also ruft Jesus noch einmal alle zusammen. Er will die Sache grundsätzlich klären. Es soll unter den Jüngern nicht um Ansehen, Ruhm und Ehrenplätze gehen: „Sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein. Und wer der Erste unter euch sein will, der soll ein Knecht für alle anderen sein.“ Denn schließlich ist ja auch Jesus nicht angetreten, um sich dienen zu lassen. Er ist gekommen, um den Menschen zu dienen und sein Leben für viele als Lösegeld zu geben.

Lieber anderen dienen, als selbst nach Höherem streben. Für andere da sein, statt auf große Belohnungen zu spekulieren. Das ist das Beispiel, das Jesus seinen Jüngern vorgelebt hat. Das ist das Beispiel, das nach wie vor für alle Christinnen und Christen gelten soll.

Und tatsächlich, gerade die helfenden, sozialen Berufe werden aus christlicher Sicht hoch geachtet: Wer Kranke pflegt oder Alte, wer sich um Kinder kümmert, um Obdachlose, Menschen mit ernsthaften Problemen, der tut ohne Frage etwas Gutes. Die tut etwas, das Gott gefällt. Allen Respekt dafür!

Aber dennoch: Das große Geld, die dicken Autos, die schönen Häuser, Anerkennung und Ansehen bekommen andere. Bestimmt auch fleißige, engagierte und hart arbeitende Leute. Trotzdem fand ich das immer schon reichlich fragwürdig, das besonders die Gutverdiener bei uns als die Leistungsträger der Gesellschaft zu bezeichnen.

Denn gerade jetzt in der Corona-Krise sehen wir ja, wie wichtig diese und andere Dienstleistungsberufe gerade sind: Die Krankenschwester, der Altenpfleger, aber auch der LKW-Fahrer und die Kassiererin im Supermarkt. Jetzt erkennen wir, was in diesen Berufen geleistet wird. Bis an den Rand der Erschöpfung und mit einem hohen persönlichen Risiko.

Viele gut bezahlte Büro-Leute (und Pastoren gehören da irgendwie gerade auch dazu) arbeiten fernab von jedem Seuchenherd in Schlabberhose und mit Kaffeetasse im Home Office. So lässt sich‘s aushalten. Andere in großen Teilen der Industrie müssen gerade zu Hause bleiben oder sind in Kurzarbeit. Ihre Arbeit wird zur Zeit nicht gebraucht. Das ist schlimm. Doch wir merken auch: Wir kommen damit klar, wenn einen Monat lang kein Auto vom Band rollt. Aber keine vier Wochen ohne Lebensmittel oder medizinische Versorgung.

Der Krankenpfleger aber kümmert sich gerade direkt um einen Corona-Patienten. Und an der Kassiererin im Supermarkt ziehen jeden Tag hunderte von zum Teil hustenden und schniefenden Kunden vorbei. Ohne deren Arbeit und Einsatz läuft nämlich nichts. Denn die Menschen müssen ja weiter irgendwo etwas zu essen kaufen. Und die Kranken müssen nach wie vor versorgt werden.

Schade nur, dass ausgerechnet diese absolut wichtigen Berufe zum großen Teil so schlecht bezahlt werden. Schade, dass viele von den „Corona-Helden“ schon ab dem 20. im Monat Ebbe im Portemonnaie haben. Dass sie sich nicht viel leisten können, sondern gerade so über die Runden kommen.

Da hilft es auch nicht viel, wenn unsere Politikerinnen und Politiker für die Beschäftigten im Dienstleistungssektor stehend applaudieren. Wenn die Industrie ganzseitige Anzeigen für sie schalten. Dann sind auch 1.500 Euro Corona-Prämie auf Dauer zu wenig.

Es gibt in unserem Land Menschen, deren Beruf ist es, anderen Menschen zu helfen und ihnen zu dienen. Oft ist das ein Knochenjob. Manchmal geht er auf den Rücken oder auf die Psyche. In den meisten Fällen wird so eine Arbeit viel zu schlecht bezahlt. Unterm Strich ist das ein Skandal: Einer, der anderen hilft, sollte doch nicht schlechter bezahlt werden als einer, der sich in erster Linie nur um sich selbst und seine Familie kümmert. Gerade zeigt sich doch, wer in unserem Land wirklich die Leistungsträger sind, auf die wir uns verlassen können. Das muss uns auch in Zukunft etwas wert sein.

Wer seinen Beruf danach auswählt, dass er anderen helfen kann, der schielt selten auf das große Geld. Die will oft gar nicht, dass das an die große Glocke gehängt wird. Ein kleines Dankeschön und ein bisschen Respekt ist ihnen meistens schon genug.

Aber das heißt ja nicht, dass wir es als Gemeinschaft dabei belassen sollen. Ich wünsche mir schon jetzt, aber ganz gewiss nach der Corona-Krise gerechte und das heißt höhere Löhne für alle, die ihren Dienst am Nächsten tun. Natürlich auch Respekt. Aber der allein wird nicht reichen.

Das einundzwanzigste kleine Licht.

Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

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