Ein kleines Licht am 6. April

Frau Tamke macht die Tür auf

Und am Montag, dem Pastorensonntag, gibt es wieder was Aufgewärmtes für die Ohren 😉:

Statt einer neuen Andacht zum Lesen gibt es eine alte Radioandacht zum Anhören. Diese Andacht lief am 22. August 2012 auf NDR1 Niedersachsen in der Reihe „Himmel und Erde“. Hier könnt ihr sie euch noch einmal anhören:

 

Und hier kann, wer will, die Andacht auch noch einmal lesen:

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“

Die alte Frau Tamke sitzt in ihrer Wohnung und hört, draußen im Treppenhaus, da heult ein Kind. Und sie hat ihre Teetasse fest im Blick und rührt sich nicht. „Ding-dong!“ an der Nachbartür. „Bamm! Bamm! Bamm!“ an der Nachbartür und dann wieder Heulen und Schluchzen. Frau Tamke rührt sich nicht. Das ist nicht ihre Angelegenheit.

Frau Tamke hat selbst gesehen, wie die Mutter von dem kleinen Türkenmädchen zum Einkaufen weggegangen ist. Und dann war ihre kleine Tochter offensichtlich früher von der Schule nach Hause gekommen und jetzt war keiner Zuhause. Pech gehabt!

Was macht sie nun? Das Weinen war ganz leise geworden, das an die Tür Bollern und Läuten hatte ganz aufgehört. Frau Tamke hat es bis zum Türspion geschafft. Sie muss sich auf die Zehenspitzen stellen, um was zu sehen. „Ach Gottchen, da hockt sie.“ Nasse Augen, rote Sandalen, Blümchenkleid.

Frau Tamke sperrt auf: „Hast du keinen Schlüssel?“ Das Mädchen schüttelt den Kopf. „Komm rein! Kannst bei mir warten.“ Also sitzen beide am Küchentisch. „Magst du Schokolade?“ Die Kleine schüttelt noch einmal den Kopf. „Welches normale Kind mag denn keine Schokolade?“, denkt Frau Tamke. „Apfelsaft?“ Sie sagt: „Ja.“ Und so sitzen sie da.

Ich habe früher mit meiner Tochter immer Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt. Kennst du das?“ – „Natürlich!“, sagt das Mädchen. „Ich nehme immer rot!“ „Schade“, denkt sich Frau Tamke, „ich nehme eigentlich auch immer rot.“ Diesmal nimmt sie gelb. Sie spielen ein, zwei Partien.

Wie heißt du überhaupt?“ – „Gülistan!“ – „Komischer Name.“ – „Das bedeutet Rosengarten.“ – „Hört sich aber nicht so an!“ Gülistan guckt nur und wartet, dass Frau Tamke würfelt. Sie hat langes schwarzes Haar und warme braune Augen. Eine kleine Schramme an der Nase. „Ein süßes Kind!“ Es sagt: „Tamke hört sich an wie Tante.“ – „Dann kannst du ja Tante Tamke zu mir sagen!“ Beide müssen lachen. Die Zeit geht hin.

Dann hören sie, wie im Treppenhaus zwei schwere Einkaufstaschen abgestellt werden und wie jemand mit einem Schlüsselbund hantiert. Gülistan trinkt ihr Glas leer und hüpft zu Tür. Frau Tamke seufzt und drückt die Klinke runter.

Gülistan ist früher von der Schule gekommen, da habe ich sie mal eben reingeholt zu mir. Sie haben eine ganz reizende Tochter.“ Gülistans Mutter lächelt. „Kommst du mich noch mal besuchen für eine Partie Mensch-ärgere-dich-nicht?“ – „Ja, Tante Tamke“, sagt Gülistan, „morgen.“ Und Erika Tamke fängt schon an, sich darauf zu freuen.

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“

Das zwanzigste kleine Licht.

Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Da finden Sie übrigens auch die kleinen Lichter der vergangenen Tage.

Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

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