05. April 2020 – Verleih uns Frieden gnädiglich

Gedanken zum Tag

Am offenen Fenster, die Kerze leuchtet hinaus in die Stadt, in die Welt, in die Zeit, die so aufgewühlt daher kommt. Aufgeschreckt und aufgescheucht. Durcheinandergebracht. Alltägliche Dinge sind ihrer Routine beraubt: Ich räume den Geschirrspüler aus und will die Teller in den Schrank stellen, öffne aber die Kühlschranktür. Die Pizza nehme ich aus dem Backofen, sie sieht aus wie frisch aus dem Eisfach. Ich hatte nur den Backofen eingeschaltet, aber nicht die Temperatur. Durcheinandergebracht. „Verleih uns Frieden“ fällt mir ein am offenen Fenster. Verleih uns Frieden, Gott, den aufgescheuchten Herzen. Den erschrockenen Herzen. Den ausgelaugten Herzen. Den munter bleiben wollenden Herzen. Den tapfer bleiben müssenden Herzen. Verleih uns Frieden. Entscheide dich, Gott, für die aufgescheuchten Herzen und Seelen, für die Menschen, die an ihre Grenzen kommen, Grenzerfahrungen machen.
Verleih uns Frieden. Da stehen die Menschen an ihren Wegen, Straßen, Bahnen, gewohnten Pfaden und nichts geht mehr wie immer. Grüne Zweige legen sie auf diesen Weg, manche legen ihre Mäntel ab. Sie haben keine grünen Zweige mehr. Verleih uns Frieden, rufen sie dem zu, „der da kommt im Namen des Herrn“. Verleih uns Frieden, denn das ist es, was wir jetzt brauchen. Verleih uns Frieden, denn das, was wir jetzt brauchen, kannst nur du uns geben. Verleih uns Frieden. Sie werden enttäuscht sein, denn der da ist, macht nicht allen Nöten ein Ende. Der da kommt, reißt nicht das Ruder herum und alles ist wie immer. Verleih uns Frieden. In seinem Mund klingt es anders. Der da ist und der da war und der da kommt, der nimmt nichts ab, sondern der geht den Weg der Menschen mit, geht an der Seite der Menschen sogar bis dahin, wo es einen erschreckt. Er bringt das Licht der Liebe Gottes in den tiefsten Winkel des menschlichen Herzens und sagt: Fürchte dich nicht. Ich bin dir näher als du glaubst.
Ein Beter sagt: Er wird dir geben, was dein Herz wünscht. Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.
Was für ein Palmsonntag in diesem Jahr! Irgendwie weiß ich mehr als sonst, was ich bitten würde, stünde ich an dem Weg, den Jesus nach Jerusalem ging: Verleih uns Frieden gnädiglich.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
Sonntag 5. April 2020

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