Ein kleines Licht für den 4. April

Gänseblümchen

Das Déjà Vu ist eine Kneipe in Göttingen. Als Student bin ich da gerne hingegangen. Erstens konnte ich da flippern, zweitens hatte die Kneipe bis in die Puppen auf und drittens hatte der Barkeeper Nico eine besondere Musikkassette im Regal stehen.

Eine Kassette mit den ersten Liedern der Göttinger Band „Ganz Schön Feist“. Jedes Mal, wenn ich ins Déjà ging, bat ich Nico, irgendwann diese Kassette einzulegen.

Ganz Schön Feistwar ein Trio, das ziemlich nette, gut anzuhörende Melodien gesungen hat. Mit wenigen Instrumenten oder gleich ganz a capella. Aber je gefälliger sich die Musik anhörte, desto bissiger und fieser waren die Texte. Diese Mischung gefiel mir. Irgendwann schrumpfte die Band auf ein Duo zusammen und nannte sich „Die Feisten“. Am Stil der Band hat sich dadurch nicht sehr viel geändert.

Foto – Die Feisten: Mathias Zeh und Rainer Schacht

Ich war auf vielen Konzerten von den Feisten und von Ganz schön Feist. Und ich habe alle CDs. Für heute Abend habe ich ein Lied aus der Anfangsphase der Band ausgesucht. Aber Die Feisten haben es auch wieder im Programm: Gänseblümchen.

Denke positiv!oder „Sei achtsam!“ oder eben „Sei ein Gänseblümchen und lass die Sonne in dich rein!“ In einer Studentenstadt wie Göttingen fallen solche Psycho-Botschaften auf fruchtbaren Boden. Im alternativen Wendland tun sie das erst recht. Nach dem Motto: „Rede dir nur ein, das alles gut wird, dann wird auch alles gut werden!“ In gewissem Maße klappt das ja auch – guckt euch nur noch mal die Andacht vom 3. April an. Und auch im Buch der Sprüche heißt es: „Ein fröhliches Herz tut dem Leibe wohl; aber ein betrübtes Gemüt lässt das Gebein verdorren“ (17,22).

Manchmal ist es aber auch nur noch albern. Wenn der Tag schon richtig blöd anfängt: Du fühlst dich wie gerädert. Irgendeiner hat dir wieder mal die Zeitung geklaut. Kein Kaffee mehr, Tee ist alle und zu essen ist auch nichts da. Das ist doch wirklich Grund genug, dich zu ärgern. Allen Ärger schönreden und unterdrücken, bis deine Wut dir wieder aus den Ohren wieder rausquillt? Totaler Blödsinn!

Wobei: Die Feisten machen sich ja nicht nur über diesen Quatsch mit dem Gänseblümchen lustig. Die vermeintliche Katastrophe mit der geklauten Zeitung und den fehlenden Frühstückssachen wird gleich mit auf die Schippe genommen. Beides wird übertrieben. Ich grinse mir eins und bekomme gute Laune.

Und ich frage mich: Ist das denn immer alles gleich den ganzen Ärger wert? Eigentlich ja nicht. Die Feisten helfen mir, viele Sachen mit Humor zu nehmen. Dinge, über die ich mich sonst wohl ziemlich aufregen würde. Das hilft und wirkt in jedem Fall. Lachen ist gesund. Jedenfalls gesünder als ein Wutanfall.

Und ein fröhliches Herz tut dem Leibe wohl. Ich sollte also noch was von den Feisten hören.

Das achtzehnte kleine Licht.

Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

PS: Anfang März habe ich zwei Karten für ein Konzert der Feisten im Dezember gekauft. Die Band verdient ihr Geld vor allem durch diese Konzerte. Jedes Wochenende stehen sie zwei-, dreimal auf der Bühne. Fast alle Konzerte waren ausverkauft. Inzwischen sind die Konzerte bis Mitte April ausgefallen oder verschoben. Keine Konzerte, kein Geld. Ähnlich geht es gerade vielen Künstlern, Kulturschaffenden, Gastwirten und Menschen, die vom Tourismus leben.

Das sind ernste, richtige Sorgen, die auch kein Gänseblümchen aus der Welt kriegen kann. Aber vielleicht ja andere Ideen. Ist es ein guter Gedanke, jetzt Essensgutscheine oder Tickets für die Zeit nach der Corona-Krise zu kaufen? Oder jetzt schon mal in den Kalender schreiben: Wenn der Spuk vorbei ist, gehe ich doppelt so oft essen und auf Konzerte?

Was fällt euch ein?

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

Meine Oma hat aber gar kein Internet”? Aber du! Es ist ausdrücklich erlaubt, diese Beiträge auszudrucken, zu verschicken, zu teilen oder zu verlinken. Gebt sie gerne an alle weiter, die sich darüber freuen und vor allem an die, die sonst keine Zugang dazu hätten.

Rückmeldungen, Fragen oder Anregungen gerne an joergprahler@gmx.de.

Dieser Beitrag wurde unter Corona, DaLaQui, Damnatz, Langendorf, Quickborn, Texte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.