Ein kleines Licht für den 2. April

Die beiden Alten in der Loge

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“

Kennen Sie noch die Muppet Show? Ich glaube, keiner der Ende der 70er Jahre einen Fernseher hatte, ist an der Muppet Show vorbei gekommen. Für alle Jüngeren: Die Muppet Show war eine Fernsehshow am Samstagnachmittag. Eine Show in der allerdings nur Puppen zu sehen waren. Die einzige Ausnahme war jedes Mal ein anderer prominenter Gaststar. Ein richtiger Mensch, der zwischen all den Puppen in der Show auftreten sollte.

Die ganze Sendung spielte auf und hinter der Bühne eines ein bisschen in die Jahre gekommenen Theaters. Der Chef von dem Laden war Kermit, der Frosch. Kermit hatte darum zu kämpfen, trotz aller kleinen, mittleren und großen Katastrophen jeden Samstag eine vernünftige Live-Show über die Bühne zu kriegen. Sein mehr oder minder verrücktes Personal war keine große Hilfe dabei. Da war Miss Piggy, eine divenhafte und schlagkräftige Schweinedame, da war der abgehalfterte und unwitzige Komiker Fozzie Bär, da war ein ganzer Haufen überdrehter und anarchischer Monster, sprechender Tiere und Menschen mit Knollennasen. Und da waren Waldorf und Statler.

Waldorf und Statler waren zwei alte Knacker, die als einzige nicht für die Show arbeiteten, sondern dagegen. Sie hatten zwei Stammplätze in einer Loge. Direkt vorne, schräg oberhalb der Bühne. Und die beiden verpassten nie eine einzige Aufführung. Warum, war eigentlich überhaupt nicht klar. Denn Waldorf und Statler ließen kein einziges gutes Haar an der Show.

Von schräg oben gaben die beiden Alten zu allem ihre Kommentare ab. Und sie riefen regelmäßig und voll Spott und Häme dazwischen. Vor allem den armen Fozzie Bär brachten sie ständig aus dem Konzept. Lachen konnten die beiden nur über ihre eigenen bissigen Bemerkungen.

Ganz am Ende jeder Show hatten die beiden Alten noch einmal das Schlusswort. Zum Beispiel: Waldorf: „Weißt du, was mir heute in dieser Show gefallen hat?“ Statler: „Nein.“ Waldorf: „Absolut gar nichts!“ Beide: „Hahahahaha!“

Die Muppet Show und gerade Waldorf und Statler waren zu dieser Zeit unbeschreiblich beliebt. Wenn damals zwei Leute in echt miteinander über irgendetwas lästerten, dann bekamen sie schon mal zu hören: „Ihr seid ja genau wie die beiden Alten aus der Muppet Show“. Und das war nicht unbedingt als ein Kompliment gemeint.

Dabei waren Waldorf und Statler wichtig für den Erfolg der Show. Und sie waren besonders wichtig, damit auch Erwachsene die Show gerne geguckt haben. Denn damals war der Humor im Fernsehen viel freundlicher und viel harmloser als heute. Undenkbar, dass man sich zum Beispiel öffentlich über einen Gast lustig gemacht hätte oder über eine tragische Figur wie Fozzie Bär. Doch Waldorf und Statler waren ja selbst nur Puppen. Sie durften ordentlich draufhauen auf alles, was es in der Muppet Show zu sehen gab. Und die erwachsenen Zuschauer konnten sich den Klamauk zusammen mit ihren Kindern ansehen und gleichzeitig auch ein bisschen über der Sache stehen.

Über der Sache stehen, sich über etwas lustig machen – bei Waldorf und Statler war das richtig komisch. Und es war ja auch wirklich ein Spaß. Im echten Leben sieht das meistens anders aus. Auf Kosten anderer Witze zu machen, ist in der Regel nicht witzig. Bissige Kommentare aus der Loge, schlaue Tipps von der Seitenlinie – ich kenne eigentlich keinen, der darauf wert legt.

In guten Zeiten mag das noch angehen. Wenn alle ein dickes Fell haben, kann man darüber hinwegsehen. Überhaupt wenn sich alle einig sind und wenn man gemeinsam Spaß an einem ironischen, frotzelnden Ton hat.

Kabarettisten und Komiker beherrschen ja oft genau diese Kunst: Mit scharfen Worten die Dinge auf den Punkt bringen. Scheinheiligkeit und Unsinn enttarnen. Das ist eine gute Sache.

Aber zur Zeit tun sich auch Satiriker schwer. Wenn die Lage wirklich ernst ist, dann kann ich kritische Zuschauer weniger gebrauchen. Vor allem solche, die nur kritisieren und nur zuschauen. Jetzt ist es wichtig, auch konstruktiv und positiv mit anzupacken. Wenn man dann dabei auch noch einen witzigen Spruch beisteuert, dann kommt das sicher gut an. Ein bisschen Spaß muss sein. Aber nur oben sitzen, nichts tun und meckern, das ist gerade nicht angesagt.

Nicht mal bei Waldorf und Statler. Wobei … es sind ja nur Puppen.

Das sechzehnte kleine Licht.

Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

Waldorf: „Hat dir die Andacht gut getan?“ Statler: „Ja, wahnsinnig. Ich habe seit Wochen nicht mehr so gut geschlafen.“ Beide: „Hahahahaha!“

Und hier sind die beiden noch mal im Original.

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend auf der Startseite von Evangelisch-im-Wendland.de und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

Meine Oma hat aber gar kein Internet”? Aber du! Es ist ausdrücklich erlaubt, diese Beiträge auszudrucken, zu verschicken, zu teilen oder zu verlinken. Gebt sie gerne an alle weiter, die sich darüber freuen und vor allem an die, die sonst keine Zugang dazu hätten.

Rückmeldungen, Fragen oder Anregungen gerne an joergprahler@gmx.de.

Dieser Beitrag wurde unter Corona, DaLaQui, Damnatz, Langendorf, Quickborn, Texte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.