Ein kleines Licht am 24. März

Was ist die Größte?

Alle zwei Jahre werden in unserem Kirchenkreis Jugendliche zu Gruppenleitern ausgebildet. Das Ganze geschieht in einem speziellen Kurs in den Herbstferien. Es geht dabei um allgemeine Fragen wie „Wie leite ich eine Arbeitsgruppe oder ein Spiel an?“ oder „Welche Rechte und welche Pflichten habe ich?“, „Welche Gesetze muss ich beachten?“ Es ist aber auch Platz für speziell christliche Inhalte zum Beispiel wie „Wie gestalte ich eine Andacht?“ oder „Worum geht es in der Evangelischen Jugend?“.

Als ich noch Jugendpastor in Lüchow-Dannenberg war, da machten wir unter anderem diese Übung:

Diskutiert in der Gruppe, wie wichtig euch diese Werte sind. Ordnet sie in vier Abstufungen von „sehr wichtig“ bis „eher unwichtig“ in eine Wertepyramide ein. Die Werte sind:

Beliebtheit, Erfolg, Gerechtigkeit, Glaube, Hoffnung, Liebe, Schönheit, Ordnung, Vergnügen, Wohlstand.

Wenn Sie mögen, können Sie es ja eben selbst mal für sich ausprobieren. Überlegen Sie wenigstens, was für Sie persönlich in die beiden obersten Ebenen gehört.

Wir haben diese Übung über viele Jahre mit verschiedenen Kleingruppen gemacht. Zwei Sachen sind mir dabei aufgefallen: „Ordnung“ landete bei den Jugendlichen immer in der untersten Etage. Und „Liebe“ landete immer an der Spitze – mit einer Ausnahme. Da stand „Liebe“ in der zweiten Etage und „Glaube“ stand ganz oben. Die Begründung war aber, dass der Glaube doch gleichzeitig auch Nächstenliebe bedeute. In „Glaube“ wäre Liebe also sozusagen schon mit drin.

Mit diesem einen, verzeihlichen Ausreißer stand für die Jugendlichen also jedes Mal „Liebe“ an der Spitze. Die Begründung war auch immer irgendwie gleich: „Mit Liebe ist alles gut!“ und „Ohne Liebe ist alles Mist!“.

Wenn ich Erfolg oder viel Geld habe, aber ohne Liebe bin, dann denke ich dabei nur an mich. Wenn ich aber reich bin und viel Liebe für andere Menschen habe, dann helfe ich mit meinen Reichtum anderen Leuten. Wer schön ist, aber ohne Liebe, der ist eingebildet und blickt auf die anderen herab. Vergnügen ohne Liebe geht schnell auf Kosten anderer. Selbst der Glaube ist ohne Liebe kalt und herzlos. Und kann man ohne Liebe und Verständnis überhaupt gerecht sein?

Der Apostel Paulus schwärmt von der Liebe in den höchsten Tönen (der Abschnitt kommt in den nächsten Tagen bestimmt auch noch dran). Und er beendet seine Gedanken mit dem Satz: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Brief an die Korinther, Kapitel 13, Vers 13).

Deshalb, bei allem, was wir jetzt tun und machen: Achtet darauf, dass die Liebe an erster Stelle steht. Kümmert euch um die, die jetzt Hilfe brauchen, weil sie nicht mehr zum Einkaufen kommen. Ruft gezielt die Menschen an, die allein und vielleicht einsam sind. Habt Verständnis für diejenigen, die langsam aber sicher einen Lagerkoller kriegen. Nicht jeder kommt mit der Situation gleich gut klar und Streitereien helfen gerade gar nicht weiter. Wenn ihr Zeit habt, nutzt die Zeit für freundliche Gesten: Malt ein Bild für die Oma und mailt es rüber. Sprecht miteinander, statt nur zu texten. Empfehlt euch gute Bücher oder Lieblingslieder oder tauscht leckere Rezepte miteinander aus. Zeigt euren Lieben, wie sehr ihr sie mögt. Schreibt Menschen, die ihr lange vergessen habt. Begrabt einen alten Streit.

Seid einfach mal lieb zueinander. Gerade auch zu denen, die es vielleicht streng genommen eher nicht verdient hätten.

Die Liebe ist gerade das Allerwichtigste und Höchste und das Größte von allem!

Das siebte kleine Licht.

Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund.

Ihr Pastor Jörg Prahler

Das Foto mit dem Herz stammt von miraliki / pixelio.de. Die Wertepyramide ist selbstgemacht.

Das “kleine Licht” erscheint jeden Abend hier und auf der Homepage der Kirchengemeinden Damnatz, Langendorf und Quickborn. Sie können diese Andacht, diesen Impuls oder Gedanken gut in ein Abendgebet einbauen. In Damnatz, Langendorf und Quickborn läuten dazu jeden Abend von 19.15 bis 19.20 Uhr die Glocken. Für das Abendgebet können Sie eine Kerze anzünden. Die Kerze können Sie danach um 19.30 Uhr auf ein Fensterbrett in Richtung Straße stellen. Das ist ein Zeichen der Hoffnung, dass sich zur Zeit ganz viele Menschen in Lüchow-Dannenberg gegenseitig geben.

“Meine Oma hat aber gar kein Internet”? Aber du! Es ist ausdrücklich erlaubt, diese Beiträge auszudrucken, zu verschicken, zu teilen oder zu verlinken. Gebt sie gerne an alle weiter, die sich darüber freuen und vor allem an die, die sonst keine Zugang dazu hätten.

Rückmeldungen, Fragen oder Anregungen gerne an joergprahler@gmx.de.

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