22.3.2020 — Sonntag

Gedanken zum Tag

„Der Sonntag kommt mit leisem Schritt. Er bringt viel Heil und Segen mit. Sei uns willkommen Tag des Herrn. Wir alle haben dich so gern…“ so singen die Kinder im evangelischen Kindergarten zum Wochenschluss mit Worten, die sie gar nicht verstehen. Mit Worten, die größer sind als sie: „dass Leib und Seel‘ sich wieder stärk‘“. Wie gut, es ist Sonntag. „Tag des Herrn“. Ein Tag, der Gott gehört. Ein Tag, dem wir Menschen Gott gehören. Natürlich tun wir das sonst die ganze Woche über auch. Am Sonntag allerdings erinnern wir uns daran. „Ich bin da. Ich bin für euch da. Und das ist mein Name: Ich bin da.“ So stellt sich Gott den Menschen vor als Mose ihn nach seinem Namen fragte. Ich bin da.
Dabei fühlte sich doch die ganze Woche schon wie Sonntag an. Für viele ruht die Arbeit oder Schmalspurarbeit im home office. Familie von morgens bis abends, wie in den Ferien, wie am Wochenende. Auszeit. Eine ganze Woche lang wie Sonntag.
Der Blick in die mails. Oh. Du hast eine Nachricht am frühen Morgen. Wie schön! Und dann: Otto Versand. Unter „Freunde und Bekannte“ schnöde Werbung. Treu, zuverlässig, jeden Morgen: Otto Versand.
Es ist gut, dass Sonntag ist. Es liegt ein anderes Versprechen über uns. Gott sagt: Ich bin da. Für dich. Für euch. Jetzt auch. Immer. Jeder Atemzug ein Atem der Zuversicht. Jetzt auch. Ich bin da. Dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.
Sonntag. Ja. Ich würde gern für einen Tag mal aussteigen aus unserer Zeit, aus diesem Zustand der Welt, aus diesem Gefühl irgendwo zwischen müde und lustlos und „ich kanns nicht mehr hören“. Aber das geht nicht. Weiß ich auch. Also irgendwie durchhalten. Woher nehmen, diese Durchhaltekraft? Ich denke an die Kassiererinnen und Kassierer in den Supermärkten und beim Bäcker. Sie waren für mich da. Eine Woche lang. Vielleicht dichter an den Menschen als ihnen lieb ist. Ich denke an die Ärzte, an die Pflegekräfte, an die Sanitäter, die eine Woche lang für uns da waren. Dichter als ihnen lieb ist. Ich denke an meinen Italiener im Eiscafe, der mir mit großem Abstand einen doppelten Espresso gibt. Mein Schluck Urlaubsgefühl und Mittelmeer. Ich danke ihnen allen für ihr Dasein für mich, wo es nötig ist, und ich merke: Dankbarkeit hilft. Dankbarkeit macht mir Mut zum Durchhalten. So kommt der Sonntag mit leisem, aber mächtigem Schritt.
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2. Tim. 1,7
So sei es. So ist es.

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
22. März 2020

Dieser Beitrag wurde unter Corona, St.-Johannis-Kirche Dannenberg, Texte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.