20.3.2020 — Vorzeichen

Gedanken zum Tag

„Also, ich muss ja schon sagen – ich habe normalerweise kein Problem damit, nur fürs Nötigste raus zu gehen und auch niemanden zu treffen. Aber jetzt, wo man es mir mehr oder weniger verbietet, fällt mir das unglaublich schwer…“.“Stille ist schön. Aber nur dann, wenn es auch Lautes gibt. Diese Stille ist nicht schön. Sie ist beängstigend.“ Für sich sein. Mal in Ruhe und mit Muße hinsetzen, ein Buch lesen, was weiß ich. Wie oft wünscht man sich das im Galopp des Alltags. Nun könnte man. Auch nicht richtig. Man könnte ja mal in der Küche die Schränke auswischen, das tun, wozu man sonst nicht kommt. Ach nein. Keine Lust. Später vielleicht.
Auf das Vorzeichen kommt es an. Ich will – das ist schön, ist befriedigend, wenn es gelingt, ist genau mein Ding. Aber „ich muss“? Sogar das, was ich sonst als schön und befriedigend und  erhebend empfinde, zerfließt in lauter Langeweile. Ich muss – nimmt jegliche Motivation. Auf das Vorzeichen kommt es an. Gerade haben wir das unbeliebte Vorzeichen: du musst. Du musst Abstand halten zu anderen Menschen. Du sollst so wenig wie möglich aus dem Haus gehen. Du sollst Spaziergänge machen, damit dein Kreislauf in Schwung kommt und du an die frische Luft kommst. Du sollst dir die Hände waschen… Manche fühlen sich in ihrer Selbstbestimmung beeinträchtigt, manche gar in ihrer Freiheit.
Das Vorzeichen ist Krise, Demütigung der persönlichen Freiheit.
Berühmt ist das halbvolle oder das halbleere Glas. Es kommt auf die Blickrichtung an. Sehe ich mit dem Blick des Mangels und der Angst, dann ist das Glas halbleer. Schon halbleer! Sehe ich mit dem Blick des Vertrauens und der Zuversicht, dann ist das Glas halbvoll. Noch halbvoll. Die Frage ist: Kann ich meinen Blick ändern?
Kann ich mir vornehmen, mal nur noch das Positive zu sehen? Werde ich mir das selber glauben? Wohl kaum, wenn ich ehrlich bin. Denn ich kann meine Sorge nicht überspringen und Angst nicht wegwischen. Also: sich eingestehen. Das Geheimnis der Zuversicht besteht darin, Ängste zu haben, aber sich darin nicht zu verlieren. Reden und beten, schreiben und telefonieren, damit Zuversicht und Geduld und Hoffnung bleibt. Ein Vorzeichen des Glaubens: „Alle eure Sorge werft auf Gott, denn Gott sorgt für euch.“ 1. Petrus 5,7

Pastorin Susanne Ackermann
St. Johannis Dannenberg
20. März 2020

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