Angedacht

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Worte zur Besinnung zum Sonntag Laetare – EJZ am 25.03.2017 – Michael Ketzenberg, Diakon im Ev.-luth.- Kirchenkreis

Dynamissio!

Während Sie diesen Text lesen, bin ich gerade in Berlin beim ökumenischen Kongreß „Dynamissio“ – zusammen mit über 2.100 haupt- und ehrenamtlichen Teilnehmern verschiedener Konfessionen aus ganz Deutschland. Dieser Kongreß, so heißt es in der Einladung, will mit seinen Impulsen Gemeinden: – ermutigen, die missionarische Herausforderung wahrzunehmen, – anregen, das Evangelium auf vielfältige Weise in Wort und Tat zu bezeugen, – befähigen, Christen sprach- und handlungsfähig zu machen. Für manchen hört sich das vielleicht „gefährlich“ an. Missionarisch – heißt das nicht, dem anderen die Bibel um die Ohren zu hauen und ihm eine Meinung aufzuzwängen? Ihn in eine Abhängigkeit zu bringen, obwohl es doch viel besser zu sein scheint, eigenverantwortlich und selbständig als Mensch zu leben und zu handeln? Hat nicht der Leserbriefschreiber Recht, wenn er seiner Hoffnung Ausdruck verleiht, es mögen möglichst viele für sich entdecken, wie gut es für das Leben ist, jeglicher Religion den Rücken zu kehren und vor allem aus den christlichen Kirchen auszutreten? Schließlich haben sich die Kirchen gerade in der Geschichte nicht mit Ruhm bekleckert…

Warum gehe ich da also hin? Weil ich davon überzeugt bin, daß das Zentrum des christlichen Glaubens, die Mitte und die Botschaft, die Kirchengeschichte überlebt und auch überwunden hat. Und dieses Zentrum hat erst einmal gar nichts mit der Institution Kirche zu tun. Sondern es hat etwas zu tun mit der ganz persönlichen Frage: Welche Hoffnung habe ich für mein Leben? Wo mache ich mich fest, wenn alles um mich herum nur oberflächlichen und vorübergehenden Halt verspricht? Sich an Jesus Christus fest machen – das ist das Zentrum des Glaubens. Und das heißt: Ich muß nicht mehr Meister meines eigenen Lebens sein. Ich muß weder Schmerzen noch Leid noch Schuld mehr mit mir alleine abmachen. Ich muß nicht mehr versuchen – wie Baron von Münchhausen -, mich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Und was mir gelingt, kann ich mit anderen teilen: Mein Lachen, meine Hilfe, meine Liebe – und das ganz ohne die Frage, was es nützt, was es mir bringt, was ich davon habe. Er teilt mein Leben.

Darum nehme ich in diesen Tagen an dem Kongreß teil: Weil ich weiß, daß ich immer wieder Chancen entdecken will, diese Mitte meines Glaubens an andere weiterzugeben. Nicht, um mich aufzudrängen, sondern um mit ihnen gemeinsam diesen Halt zu suchen und zu finden. Vielleicht doch besser nicht austreten – sondern gemeinsam suchen und finden.

 

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