Angedacht

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Worte zur Besinnung zum Karfreitag, EJZ 13.04.2017

Michel Gierow,  Pastor für Breselenz und Zernien

Randfiguren

„Wenn einer tut, was er kann, dann kann er nicht mehr tun, als er tut“. Eine Volksweisheit, die sich auf Plattdeutsch noch viel schöner anhört.

Die ist mir eingefallen bei den Randfiguren der Passionsgeschichte Jesu, um die es in dieser Woche besonders geht.

Jesu Weg zum Kreuz. Morgen wird er bedacht. Und meist geht es dabei um die Hauptakteure. Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht, hin- und hergerissen zwischen einer gewissen Faszination von Jesus und dem Druck der Straße. Die wankelmütige öffentliche Meinung, schon damals leicht verführbar in wenigen Tagen. Die Soldaten, die mit dem armen Opfer auch noch ihren Spott treiben oder um die Kleider würfeln.

Mir haben es die Randfiguren dieser Geschichte angetan. Menschen, die oft nur mit wenigen Worten erwähnt werden und doch ihren Teil zum Ganzen beitragen.

Die Frau, die Jesus mit unverschämt teurem Öl salbt und dafür Kopfschütteln und Ärger erntet. Ihre Art, Liebe zu zeigen und sich zu Jesus als den Messias zu bekennen. –

Matthäus erzählt von der Frau des Pilatus, die vergeblich versucht, ihren Mann mit einer Nachricht zu warnen: Lass deine Hände von diesem Gerechten, ich habe von ihm geträumt. –

Der Mann, der für ihn das Kreuz zum Galgenberg hochträgt. –

Das Nikodemusevangelium berichtet von Veronika, die Jesus ein Schweißtuch gereicht hat. –

Markus spricht von einem der beiden, die mit ihm gekreuzigt wurden. Er bekennt noch während der Hinrichtung, dass Jesus nichts Unrechtes getan hat. –

Oder Mann, der sein Familiengrab zur Verfügung stellt, damit der vermeintliche Verbrecher doch ein ordentliches Begräbnis erhält.

Kleine Leute, die den großen Gang der Geschichte nicht aufhalten können. Die aber merken, dass Unrecht geschieht. Und die entschlossen je an ihrem Ort das Wenige tun, was sie tun können, was in ihrer Macht steht. Auch wenn die anderen schimpfen. Auch wenn sie sich als Frau ungehörigerweise in ein laufendes Verfahren einmischen. Auch wenn sie sich durch die Reihen der Wachsoldaten drängeln müssen.

Gut, dass es sie gibt, diese kleinen Leute. Die tun, was sie können. Die beherzt zupacken, wo sie merken, dass Unrecht geschieht. Die nicht jammern: Was kann ich schon machen? Die wenigstens das Leiden lindern, wenn sie schon das große Ganze nicht ändern können.

Gut, dass es sie gibt. In der Passionsgeschichte. Und auch in unserer Zeit, in unseren Gemeinden. Mögen sie sich ermutigen lassen in den nächsten Tagen, wenn es heißt: Brot des Lebens, für dich gegeben. Kelch des Heils, für dich gefüllt.

 

 

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